Stärke genug beſäße, das Schlimmſte zu ertragen, was ihm widerfahren könne. Der Umſtand fiel ihm auf, daß dem Briefe des Vaters nicht, wie gewöhnlich, ein Brief⸗ chen von ſeinem Herzensbräutchen beigeſchloffen war. Es wurde ihm ſchwarz vor den Augen und wie in gewiſſen Lebensaugenblicken eine Abſonderung zwiſchen der Materien und der höhern Sinnenwelt eintritt, wo eine Art Ahnungs⸗ vermögen ſich offenbart und unſer Blick in die Zukunft reicht, ſo ſtellt ſich auch hie und da ein grauenhaftes, unerklärliches Begehren ein, Vergleiche zwiſchen allen den Graden anzuſtellen, in welchen unſer Herz auf die Folter⸗ bank der Todesqual geſpannt wird. In Folge dieſer ſelt⸗ ſamen, aber wahren Ideenverbindung fragte ſich Her⸗ mann:„Würdeſt du wohl ſchwanken in der Wahl, ob du ſie lieber als eine von den Engeln entführte Himmels⸗ braut wiſſen, oder, wenn die Bluͤthen der Hoffnung und der Liebe noch tiefere Wurzeln geſchlagen haben, dein höchſtes Gut im Leben lieber dahin geben und verlieren wollteſt, wenn du ahnen, fühlen, hören müßteſt, wie ihr geliebtes Herz ſchlägt, aber nicht für dich, ſondern fuͤr einen Andern? Nein, o Gott, in dieſem Falle wäre ich entſchloſſen,“ ſagte Hermann mit lauter, erhabener Stimme; allein ſeine Wangen waren todtesbleich, ſeine Lippen beb⸗ ten und in ſeinen ſchwarzen Augen flammte ein dunkles Feuer. Heftig griff er wieder nach dem Briefe, durchflog die erſten Linien und im Nu waren die düſtern Luftbilder ſeiner Phantaſie verſchwunden und wie vom Donner ge⸗ Auhrt, fuhr er zurück, als die eiskalte Wirklichkeit, Wie⸗ wohl in einer andern Geſtalt, ihm entgegen trat. Bluuͤdndler ſchrieb:
geſtern Nacht hat Deinen Vater, ohne daß er vorher eigentlich unwohl geweſen wäre, ein heſtige Schlaganfall betroffen und ihm die ganze Seite vollſtändig gelähmt. Sein Kopf iſt ve wirrt, und ohgleich er ſich möglicherweiſe wieder
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„Mit tiefſter Bekümmerniß bin ich, genöthiget, Dich auf einen harten Schlag vorzubereiten! Vor⸗
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