Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

8 SAuR AN

geringſte Verlegenheit erſparen wollte, verſchwand mit dem Kam merſchreiber aus der Loge.

Es koſtete ihn Mühe, von dem ſonſt wohl gelittenen, ihm jetzt aber ſehr beſchwerlichen Kameraden loszukom⸗ men, dann eilte er, von einer Menge der verſchiedenſten Gedanken erfüllt, nach dem Königsholm zu ſeiner Woh⸗ mge drei Treppen hoch, in der Nähe des Seraphinen⸗

itals.

3„War ſie es, war ſie es wirklich?“ ſagte er vor ſich hin, während er den Schlüſſel umdrehte und in ſein behagliches Zimmer trat.„Und was ſſt ſie jetzt? Ihre Kleidung! Gott! ſollte es möglich ſein?“— Hermann überſiel eine tödtliche Angſt; allein nachdem er ſich mehre Male den Auftritt mit dem Briefe und die vorhergehen⸗ den Worte, welche ſie zu ihrem Begleiter geſagt hatte wiederholte, fühlte er ſich doch über gewiſſe unbeftimmte Beſorgniſſe beruhigt; aber deſto mehr zerbrach er ſich den Kopf darüber, wie ſie wohl nach Stockholm gekom⸗ men ſeyn möchte, über den Stand ihres Begleiters und ihre mögliche Stellung zu demſelben. Da flog ihm ſchnell der Gedanke an die auffallende Aehnlichkelt zwiſchen dem offenbar wohlhabenden Manne und dem armen Muſikan⸗ ten von M.. durch den Kopf und vertrauensvoll blieben ſeine Gedanken bei dem Wünſchenswertheſten ſtehen, das er ſich irgend vorſtellen konnte.

Endlich ſchlug er, mit dem Vorſatze Morgen mehr von der Sache ausforſchen zu wollen, Licht, zog ſeinen warmen Schlafrock und die zierlichen Pantoffeln, Hulda's letztes Geſchenk, an, ſetzte ſich auf den Sopha, rückte den Tiſch näher und begann zu leſen. Allein kaum hatte er die erſten Zeilen von ſeines Oheims Brief überflogen und mit Zittern die Worte geleſen:„Mein Sohn! Mit tiefſter Bekümmerniß bin ich genöthigt, Dich auf einen harten Schlag vorzubereiten“— ſo rief er aus:„Gott, was iſt das!“— Hermann ſchloß mit Gewalt die Augen; er wollte das Weiterleſen noch ein paar Minuten verſchie⸗ ben, um ſich wo möglich zu prufen, ob ſeine Seele auch