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bewußt war, beinahe unwillkührlich die Gränzen des ge⸗ wöhnlichen Anſtands faſt zu weit überſchritten zu haben.
Als das erſte Stück aus war, und die Herren auf⸗ ſtanden, um entweder friſche Luft oder irgend eine andere Erfriſchung zu genießen, erhob ſich auch Hermanns Nach⸗ bar im blauen Oberrocke. Sowie er in die zweite Bank⸗ reihe kam, reckte er die Hand nach der goldnen Schnupf⸗ tabacksdoſe aus, welche er zurückgelaſſen hatte; ſchnell wie ein Gedanke faßte eine kleine Hand das auf dem Sitze liegende Kleinod, reichte es dem Eigenthümer dar und drehte ſich zugleich dabei um. Hermann hatte nun die beſte Gelegenheit, das ausgezeichnet edle, etwas blaſſe Ge⸗ ſicht und die ſchwarzen, ſtrahlenden, tief liegenden Augen zu betrachten; je mehr er darauf ſah, deſto enger wurde es ihm um das Herz— er konnte kaum athmen. Es erleichterte gleichſam ſeine gepreßte Bruſt, als er eine ihm dunkel erinnerliche Stimme mit dem reinſten Wohllaute ſagen hörte:„Bleib' nicht zu lange aus, es wird mir ſonſt ganz ängſtlich zu Muthe unter allen den fremden Leuten.“— Dann wandte ſie ſich wieder um; kein Blick war auf Hermann gefallen.
Vor Hermanns Augen ſchwindelte es jetzt aber faſt. Ein Mal über das andere lehnte er ſich vorwärts; mehr als zehn Mal öffnete er die Lippen, allein die Scheu vor einem möglichen Irrthum und die Furcht, es möchte ein Blendwerk ſeiner an dieſem Abende ohnehin ungewöhnlich aufgeregten Einbildungskraft ſeyn, ſowie die Nähe des Kafe ſchrribers hielten ihn ab, ſich Gewißheit zu ver⸗ ſchaffen.
„Wenn Du Etwas zu Dir nehmen willſt, Bruder H.. ſo geniere Dich nicht,“ ſagte Hermann.„Es iſt heute nicht das erſte Mal, daß ich das Vergnügen Deiner Geſellſchaft im Theater habe, und ſonſt pflegteſt Du es nicht ſo genau zu nehmen.“
„Ja, das war ſonſt wohl der Fall; aber durch den Umgang mit Dir habe ich mir eine gewiſſe liebens⸗ würdige delikate Schüchternheit angewöhnt,“ entgegnete


