206 Hof heraustrat und, ohne ſich die Mühe zu nehmen,
weder rechts noch links umzuſchauen, dem Orte zueilte,
wo ſein Pferd ihn wiehernd erwartete„ fühlte er, wie ſich eine Hand leicht auf ſeine Achſel legte; eine unter⸗ würfige Stimme ſagte:„Ich bitte um Vergehung, Herr Baron, daß ich ſo frei bin und Sie zu ſtören wage; aber der Herr Notarius haben mir aufgetragen, unter allen Umſtänden dafür zu ſorgen, daß Sie dieſes Billet in die Hände bekommen, ehe Sie wegreiten.“
Karl drehte ſich um und an ſeiner Seite ſtand in ehrfurchtsvoll gebückter Stellung, die eine Hand, wie ge⸗ wöhnlich, auf der Bruſt,— der gefällige Lidner und reichte ihm mit der andern ein Papier. Das Blatt ent⸗ hielt weiter Nichts, als die mit Bleiſtift geſchriebenen Worte: 6 1
„Herr Baron, wenn es Ihre Zeit erlaubt, in heutigen Sitzung mir, Sis in eine etwas ruhigere Gemüthsſtimmung verſetzen zu kön⸗ nen, als ſich gegenwärtig, wie es ſcheinen möchte, Ihrer bemächtiget hat.
Hochachtungsvoll, G. Bundler.“
Ein heller Lichtſtrahl fuhr über Karls Geſicht.— „Ich will nur mein Pferd in den Stall bringen und werde Ihnen dann ſehr verbunden ſeyn, Herr Lidner, wenn Sie mir den Weg zu Herrn Bundlers Zimmer zeigen wollen.“ 1
„Unterthänigſter Diener!“— dabei verhugte ſich Lidner abermals ehrfurchtsvoll.— Er war der dienſt⸗ fertigſte und gefälligſte Menſch von der Welt und Nichts konnte ihn glücklicher machen, als wenn er Jemand einen
Gefallen thun konnte.„Wenn ich mir erlauben dürfte, einen Vorſchlag zu machen,“ ſagte er langſam, und ſeine
dunkelgrauen, aber von Herzen freundlichen Aeuglein blickten fragend auf den Baron,„ich habe gerade freie
Zeit und da köoͤnnte ich zuerſt dem Herrn Baron das


