Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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205 Redensarten heißen, mein Herr? Glauben Sie denn,

daß ſich ein ehrlicher Bürger Etwas um einen lumpigen

Edelmann ſchiert, der von Haus zu Haus laufen muß, um ſich einen armſeligen Bürgen für ſein verſchuldetes Gütchen zu erbetteln? Nein, mein Herr, laſſen Sie den Stolz nur hübſch fahren, der nur gegen Ihres gleichen an ſeinem Platze iſt; aber hier, in unſerm freien Gerichtshauſe, einem Manne gegenüber, der es in ſeiner Macht hat, den Adelshochmuth dergeſtalt in die Klemme zu nehmen und zuſammenzudrücken, daß er ſo dünn werden ſoll, wie ein Kartenblatt— da iſt er, Gott verdamm' mich! ſehr am unrechten Platz!“

Vor Baron Karl's Ohren rauſchte und brauste es gleich hohen Wellen im heftigen Sturm, und ſied heiß ſchwoll ihm in der ſtolzen Mannesbruſt das Blut zum Herzen. Trotz dieſes innern, faſt verzehrenden Brandes, war er indeſſen doch äußerlich ruhig und ſein Antlitz ſo bleich, ja faſt ſo weiß in dem Augenblicke, daß man ihn, der wie regungslos halb auf die Reitpeitſche geſtützt daſtand, für ein Marmorbild hätte anſehen können. Niemals hatte der arme Baron eine ſo tiefe Kränkung erlebt, niemals eine ſo bittere Erfahrung über ſeine bedauerliche Lage gemacht. Aber nur ein einziges Wort, nur ein halbes Wort noch an den rohen Menſchen verlieren— dieß vermochte er nicht über ſich. Schweigend ſteckte er den Bürgſchaftsſchein, welcher ihm nun zu Nichts helfen konnte, in die Taſche, ging dann mit erzwungener Hal⸗ tung nach der Thüre, die Treppe hinab in den Hof, wo er der rückkehrenden Gerichtsprozeſſion begegnete. Der Amtmann grüßte ihn mit einer tiefern Verbeugung als gewöhnlich, der Baron erwiederte den Gruß, aber nur ſehr flüchtig. Sein Pferd ſtand noch geſattelt und er war gerade im Begriff ſich in den Sattel zu ſchwingen, als es ihm einſtel, daß er das Futter für ſeinen Lieb⸗ ling noch nicht bezahlt habe. Schnell warf er die Zügel wieder über den Gatterzaun und begab ſich in die Wirths⸗ ſtube um die Zeche zu berichtigen. Als er wieder in den