——/&——————.
— 9.
—*
45
was übrigens das Verwöhnen und dergleichen Poſſen be⸗ trifft, ſo ſoll Deine Frau nur bei ihrem eignen Sohne drauf ſtudiren, ihn gehörig zu erziehen; daß Hermann nicht vernachläßigt wird, dafür wollen wir ſorgen!“
Sobald Dahl gegen Abend ſeine Geſchäfte auf dem Comptoir abgemacht hatte, begab er ſich zu ſeiner Gattin.
Elfride, von ihrer Krankheit her noch bleich und etwas matt, ruhte, auf ein paar Kiſſen geſtützt, in halb liegender Stellung auf dem Sopha. Sie las in einem neuen Roman, welcher ihre Aufmerkſamkeit dergeſtalt in Anſpruch nahm, daß ſie es nicht einmal merkte, als die Thüre aufging und ihr Mann eintrat. Dieſer hatte dem⸗ nach Zeit, einen forſchenden Blick im Zimmer umher zu werfen. Ein paar Sekunden ruhten ſeine Augen mit innigem Wohlbehagen auf der jungen reizenden Frau, fielen dann auf die kleine Wiege, in welcher der neue Ankömmling ſchlummerte, ſanft eingelullt von dem Dienſt⸗ mädchen, welches Elfriden von ihrem früheren Wohnorte nachgeſolgt war. Wo war aber Hermann? Halb und halb ahnend ſchaute der Vater nach dem Ofenwinkel; da ſtand der nun etwas mehr als zweijährige Knabe ſtill und ruhig, mit der Ruthe in beiden Händchen. Er ſchluchzte nicht, aber eine Thräne nach der andern rollte ihm in großen Tropfen über die Wangen auf das Kinn herab, wo er ſie inſtinktmäßig mit den Lippen auffing.
„Papa,“ ſagte der Kleine laut und deutlich, als Dahl
ſich ihm näherte,„Hermann hat Hunger.“
Bei der Stimme des Jungen, welche ſo ſchmerzlich klagend lautete, richtete ſich Elfride halb auf.„Ei, Du armes Kerlchen,“ ſoagte ſie freundlich,„ſtehſt Du denn immer noch da! Komm her, Hermaͤnnchen! So, jetzt biſt Du ein braver Junge— halte nur Deine Ruthe immer in Ehren! Komm her und küſſe der Mama die Hand— ſo!— Da haſt Du eine Bretzel. Nun geh' und ſetze Dich hübſch ondentlich auf den Schemel dort; Friederike ſoll Dir Deine Spielſachen geben.“
Hermann gehonchte und ſprang vergnügt, mit ſeiner


