Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

38

ſo dumm. Ich habe wohl geſehen, wo Barthel den Moſt vpolt; ſo oft ich Morgens fragte: wenn ſoll ich die Pferde beſtellen? behauptete er mit aller Gewalt, es ſey ſo ſchwü⸗ les, dumpfiges Wetter, wenn es gleich regnete und windete, und beim ſchönſten, klarſten Himmel beſtand er wieder ſteif und feſt darauf, wir würden Sturm oder gar Nebel bekommen. Ja, ja, ſo ganz blind bin ich, Gottlob, auch nicht!— Was werde ich nicht Alleg. zu erzählen wiſſen, wenn wir erſt wieder zu Hauſe ſind!“

Unſern Dahl auf ſeine ganze Reiſe und in das Bad zu begleiten, erlaubt weder die Zeit noch der Raum unſrer Blätter, welche eigentlich einzig und allein für

unſre Helden, die beiden Milchbrüder, beſtimmt find. Wir müſſen uns deßhalb möglichſt einſchränken und kön⸗ nen nur kurz berichten, daß Dahl bei ſeiner Zurückkunft nach B.. von wo er ſechs Wochen abweſend war, folgenden Brief an ſeinen Schwager, den Doktor Bund⸗ ler, ſchrieb: „Beſter Bruder!

Da Du aus allen meinen bisherigen Briefen erſehen haben mußt, daß nicht nur mit meiner Gemüthsſtimmung und Geſundheit eine namhafte Veränderung vor ſich ge⸗ gangen iſt, ſondern daß auch Zeit und Umſtände einen höchſt wohlthätigen Einfluß auf Herz und Seele geäußert haben, ſo wird es weder Karolinen noch Dich ſehr wundern, wenn ich Euch melde, daß ich, um es gerade heraus zu ſagen,— denn die Umſchweife ſind uns Bei⸗ den verhaßt— geſonnen bin, mich wieder zu verheirathen. — Ja, Bruder, es iſt wirklich ſo.— Nicht, daß ich eigentlich liebte,— nein, dieß konnte ich nur Ein Mal; — aber ein anderes damit verwandtes Gefühl beherrſcht mich jetzt; dieſes hat meine kleine Wittwe, von welcher ich Dir ſchon früher geſchrieben, in mir erweckt und

auch während ich ferne von ihr war, ganz hübſch zu 1

erhalten und ſogar zu ſteigern gewußt. Elfride iſt eben 4 ſo hübſch als liebenswürdig; allein dieß hat mich weniger gefeſſelt, als ihr ſtilles ſanftes Weſen, ihre milde reine