Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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ſehen mochte, ſchlicht zu beiden Seiten niedergekämmt war, und von einem dicht anliegenden blendend weißen Häubchen überſchattet. Weiter befand ſich an dem Kopfe ein kleiner allerliebſter Mund mit ganz erſtaunlich hübſchen Zähnen, und einem Kinn, deſſen ehemalige feine Rundung etwas abgemagert ſchien, ſowie die Wangen, welche ſtatt des friſchen Purpurs der Geſundheit und Freude mit Lilienbläſſe bedeckt waren, was ſie übrigens keineswegs ſchlecht kleidete.

„Ergebenſter Diener; ich bitte um Entſchuldigung;“ ſagte Dahl und nahm, gleichſam inſtinktmäßig, ſein fruheres höfliches Weſen wieder an.„Ich bin auf der Reiſe und ſuche ein Zimmer, da im Gaſthofe Alles be⸗ ſetzt iſt. Bin ich wohl hier Recht, wenn ich mir die Freiheit nehme, dieſe Frage an Sie zu ſtellen?“

„Ja, mein Herr, ich habe ein paar kleine Zimmer zu vermiethen. Wollen Sie die Güte haben und herein⸗ treten!“

Dahl ließ ſich dieß nicht zweimal ſagen. Kaum hatte ſie den reizenden Kopf zurückgezogen, ſo folgte er nach und ſtand nun mit einer höflichen Verbeugung, den Hut in der Hand, im Zimmer vor einem jungen Frauenzimmer von höchſtens dreiundzwanzig Jahren, welches ohne alle Frage ganz hübſch und eben ſo anſpruchslos in ihrer Kleidung, als in ihrem ganzen Weſen und ihren Worten war. Sie erwiederte ſeine Begrüßung weder ſteif noch erkünſtelt, und führte ihn dann zu zwei kleinen Zimmern neben dem, welches ſie ſelbſt bewohnte. Dahl blickte ſehr zufrieden um ſich: Alles war einfach und ſpärlich, aber nett und reinlich.—

„Hier werde ich mich vortrefflich befinden,“ ſagte er.

„ Das ſoll mich freuen,“ entgegnete die junge Wittwe freundlich.„Brauchen Sie Etwas, ſo wollen Sie nur klingeln. Dieſe Thüre führt auf die Straße.“— Damit machte ſie abermals eine Verbeugung und wollte ſich entfernen, als Dahl ſie mit den Worten zurückhielt:„Ich bitte um Vergebung, Madame““