Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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geduldig mit Händen und Füßen, bis er, kirſchroth in ſeinem Vollmondsgeſichtchen, wieder gehörig auf dem Teppiche ſaß; oder ein ander Mal, da Gotthard in einem Korbe voll Pfeifchen, Klappern und ſonſtigem Spielwerk eifrigſt kramte, und Hermann auch ſein Händchen aus⸗ ſtreckte, um an der Herrlichkeit Theil zu nehmen, begann

jener dem Eindringling aus allen Kräften auf den Kopff

zu pauken, und als dieſer, trotz dem, mit gleicher Tapfer⸗

keit ſeinen Antheil am Korbe feſthielt, und beide ordent⸗ lich mit einander rauften, begann auf einmal Gotthard,

wie gecböhnlich, aus vollem Halſe zu ſchreien, worauf Hermann, überwunden, ganz mäuschenſtille, ohne Etwas

von dem Spielzeuge mitzunehmen, an das andere Ende

des Teppichs kroch, wo er die großen Bohnen auflas,

welche er kürzlich von der alten Liſe erbeutet hatte

und damit ſpielte.

Als Liſe, welche beſtändig bei der Hand war, den

kleinen Auſtritt gewahrte, machte ſie dem kleinen Gott⸗ hard eine Fauſt, murmelte leiſe:das iſt ein ‚verbeinter Junge mit ſeiner Gewaltthätigkeit! und brachte ihrem

Augapfel einen ganzen Haufen Sachen, um ihn für das

entzogene Splelzeug zu entſchädigen, welches ſie dem klei⸗ nen Tyrannen nicht zu entreißen wagte, denn neben daran war das Arbeitszimmer des Doltors, und dieſer öffnete in der Regel, wenn er Gotthards wohlbekanntes Kampf⸗ geſchrei hörte, die Thüre, und pflegte zu nicht geringem Aergerniß der Alten, verdrießlich zu ſchelten:

Was zum Henker, Liſe, kann ſie denn nicht auf die Kinder Acht haben, damit ſie keinen ſolchen Satanslärm

Es war in der Mitte des Mai, ein ſehr ſchöner Nachmittag. Doktor Bundler ſaß mit ſeiner Familie in

verführen!.

dem Gärtchen, das ſeine Wohnung umgab. In einer 5

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gruͤnen Laube ſtand der einladende Kaffeetiſch, und Karo⸗

line, welche zwiſchen ihrem Gatten und ihrem Schwager ſaß, ſchenkte eben zum zweiten Male ein. Die Buben ſpielten vor ihnen auf dem Raſen.

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