Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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wende Dich zu Deinem Sohne, durch den Du auf ewig mit dem ſeligen Geiſte vereinigt biſt.

Ja, mein Sohn, mein armer Sohn, was ſoll aus ihm werden, ohne eine Mutter, welche ſeine erſte Schritte auf der unſichern Lebensbahn leiten kann? O, des Le⸗ bens edelſte, uneigennützigſte Gabe, die Liebkoſungen einer zärtlichen Mutter, ihre aufopfernde Liebe, wird er nie⸗ mals kennen lernen!

Und doch, entgegnete Karoline ſanft,ging unſre theure Bertha mit der Ueberzeugung hinüber, daß ihrem Abbilde hienieden eine Mutter bleibe. Glaubſt Du dies nicht auch, beſter Dahl? m

Stumm drückte ihr der gebeugte Wittwer die Hand und wandte den Kopf nach der Wiege, in welcher der kleine Gotthard ſchlummerte.

Ich verſtehe Dich, erwiederte Karoline und ein leichter Purpur überzog ihre feinen blaſſen Wangen;Du hältſt es nicht für möglich, Dahl, daß ein Weib, welches ſelbſt Mutter iſt, ein ſo uneigennütziges Gefühl hegen könne. Allein mit Gottes Hilfe und bei dem Andenken an unſre Bertha, welche mich beſſer kannte, ſchwöre ich ihrem Gatten, daß mir Euer Kind eben ſo lieb und theuer ſein ſoll, wie mein eigenes. Beide ſollen mir gleich nahe ſtehen, und damit von Anbeginn auch nicht der geringſte Vorzug zwiſchen ihnen ſtattſinde, werde ich Beide ſelbſt ſäugen. Biſt Du damit zufrieden, Dahl?

Du gute Karoline, mein Dank findet keine Worte, ich fühle ihn jedoch darum nicht minder warm. Aber ich fürchte, es iſt Unrecht von mir, Dein großes, hoch⸗ knniges Anerbieten anzunehmen; was ſagt Bundler azu?

Wenn ich aufrichtig ſein ſoll, entgegnete Dieſer, ſo kann ich nicht bergen, daß mir im Anfange ihr Plan nicht geſtel, denn ich fürchte, Karolinens Kräfte ſind der Ausführung ihres heldenmüthigen Entſchluſſes nicht ge⸗ wachſen. Nachdem wir uns indeſſen darüber beredet haben, bin ich zu einer andern Ueberzeugung gelangt,