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unausgeſetzt bei ihrem Schwager zugebracht und Alles ſowohl für die traurige Feier als auch für die Tauf⸗ handlung des Neugebornen beſorgt, der durch dle über⸗ nommenen Mutterpflichten jetzt ihr zweiter Sohn gewor⸗ den und den Namen Hermann erhielt. Sie war jetzt in ihre Wohnung zurückgekehrt und nach unzähligen Bitten und Vorſtellungen glückte es ihr endlich, wie wir geſehen haben, ihren Gatten zu vermögen, daß er ihrem edlen Vorhaben beiſtimmte, beide Knaben ſelbſt ſäugen und Beiden eine gleichaufopfernde Mutter ſein zu dürfen; und Karolinens ſeelenvolle Augen ſtrahlten nun wieder von inniger Dankbarkeit, dem reinſten Gefühle, welches je in einem Buſen eines Weibes lebt.
Beide Gatten beeiferten ſich um die Wette ihren gebeugten Gaſt zu tröſten und zu zerſtreuen. In tiefes Schweigen verſunken ſaß der junge Mann da und be⸗ deckte ſein Geſicht mit den Händen; er ſchien faſt gänz⸗ lich gefühllos.„Beſter Dahl,“ ſagte der Doktor und zog ihm mit ſanfter Gewalt die Hände von den thränen⸗ ſchweren Augen,„blick' doch meine Karoline an, ſie ver⸗ dient es wahrlich für ihre unermüdete Sorge. Du hörſt aber gar nicht auf ſie und doch bittet ſie Dich ſo beweg⸗ lich auf ihre Worte zu horchen.“
„Was denn, was iſt's denn?“ fuhr Dahl plötzlich aus ſeinen Träumereien auf.„Was willſt Du von mir, beſte Karoline? Sag' an, ich höre, ich will Dir ja ſo gerne zuhören. Sie hat Dich ja innig geliebt und Du warſt es, die ihren letzten Blick, ihr letztes Wort mit mir getheilt hat. O Karoline, wie es hier tobt und brennt!— O weh' mir!“— Er drückte ihre Hand an ſein ſchmerzlich ringendes Herz und verbarg den brennen⸗ den Kopf in dem Sophakiſſen.„Armer Dahl,“ flüſterte Karoline mit ihrer freundlichen Stimme,„wohl haſt Du Grund zu klagen; ich nicht minder, und doch kann ich nicht von mir reden, wenn ich Dich anblicke. Laß uns aber den Gedanken an Grab und Tod vergeſſen, welche uns das genommen haben, was Dein Alles war, und


