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ein leichtes Beben durchſchauerte ihr ganzes Weſen;„ſiehſt Du, ich wußte es ja.— Das war kein gutes Zeichen.“
„Ein bloßer Zufall war es, Liebſte,“ tröſtete ſie Karoline und klingelte nach Licht.
Indeſſen ſchien dieſer Zufall doch nicht ganz ohne Vorbedeutung zu ſein. Karoline war ſchon ſechs Wochen Mutter, als auch Bertha ihrem Gatten einen Sohn ſchenkte. Jedoch war die Freude über den Neugebornen nur kurz; ſeiner Ankunft in dieſer Welt folgte in kurzem Bertbas Hinübergang in das Land, zu welchem wir Alle mit Glauben und Hoffnung emporblicken.
Kaxoline und der auf ſeinen Verluſt ſchon vorberei⸗ tete Gatte knieten an ihrem Lager; auf dem Antlitze der jungen Mutter ſtrahlte ein ſeliger Friede.—„Ich war ja ein ganzes Jahr ſo glücklich, als eine Sterbliche nur immer ſein kann,“ ſagte ſie langſam.„Ich murre nicht — bin zufrieden; denn ich laſſe mein Kind zurück und weiß, daß es, obgleich ich hinübergehe, doch nicht mut⸗ terlos iſt.“— Voll Zuverſicht fiel ihr umflorter Blick auf Karoline, welche ſchluchzend ihre Hand an die Lip⸗ pen zog, und kaum hörbar ſtammelte:„Ja, Bertha, ja,
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ich habe von nun an zwei Söhne, ſie ſollen Zwillings⸗.
brüder ſein, und ſo lange mein Herz ſchlägt, ſoll es für den einen ſo warm wie für den andern ſchlagen.“. Schwach beantwortete Bertha den Händedruck ihrer ſchweſterlichen Freundin, wandte dann ihre Angen voll Zärtlichkeit auf den gramerfüllten Gatten, und ſagte mit gebypchener Stimme:„Mein Eberhard, wenn Du einſt An Kine zweite Wahl denkſt, ſo erinnre Dich an die Bitte Deiner ſterbenden Gattin; ſieh' auf nichts Anderes, als auf ein gutes Herz. Dieß iſt die beſte Tugend, welche einem Weibe inwohnen kann, und vor Allem muß diejenige ſich derſelben rühmen können, welche ſich dem ſchweren und gewichtigen Berufe unterziehen ſoll, dem Kinde Mutter zu ſein, welches unter dem Herzen ihrer
Vorgängerin geruht hat.“ Sie ſchwieg; die ſchwache
Kraft verließ ſie.


