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„Gelliebte, beſte Karoline, ich will mich dieſer ſchwar⸗ zen Gedanken entſchlagen,“ erwiederte Bertha mit erzwun⸗ gener Faſſung.„Da wir nun aber auf dieſen Gegen⸗ ſtaud gekommen find, ſo laß uns einander ein Gelübde geben, welches ich mir oft als etwas ſo Schoͤnes und Beruhigendes für uns Beide gedacht habe, denn auch Du, theure Schweſter, biſt derſelben traurigen Möglich⸗ keit unterworfen.“ Sie ſchwieg und war unentſchloſſen, ob ſie weiter reden ſollte.
„Nenne es, liebſte Bertha,“ verſetzte Karoline eifrig, „laß mich vernehmen, was Du meinſt. Vielleicht iſt der⸗ ſelbe Gedanke auch in mir rege geworden, denn auch in meinem Herzen ſtreiten Unruhe und Hoffnung. Ja, ja, ich bin ſicher, daß unſre Gedanken ſich begegnen.“
„Gott gebe, daß es ſo iſt,“ ſchluchzte Bertha. Sieh' gute Lina, ich meinte, daß wir— freilich nur wenn wir der feſten Ueberzeugung ſind, unſer Verſprechen halten zu können, einander die Zuſage geben wollten, wenn Eine von uns ſterben muß, die überlebende das mutterloſe Kind wie ihr eigenes annehmen will, nicht allein mit dem ihrigen alle mütterliche Zärtlichkeit und Fürſorge theilen läßt, ſondern auch ihm dieſelbe Nahrung aus der Mut⸗ terbruſt reichte.“
„Bertha,“ rief Karoline aus, ernſt und von einem heiligen Schauder ergriffen:„Daſſelbe war mein Ge⸗ danke. Laß uns einander die Hand darauf geben, zum treuen Bunde, der über das Eeben hinaus gilt, bis in die ſeligen Räume der Ewigkeit, in welcher wir uns früher oder ſpäter wieder finden!“ 1
Bebend reichte ihr Bertha die Hand über den Tiſch. Ein paar Minuten hielten ſich die zarten, weißen Finger feſt umſchloſſen, als ſie aber die Hände zurückzogen, ſtieß Bertha mit dem Arm an die einzige Kerze, welche das Zimmer erleuchtete. Dieſelbe ſiel um und ſtürzte mit raſſelndem Getöſe auf den Boden.—
Alles war dunkel und ſtumm.
„Siehſt Du, Karoline,“ flüſterte endlich Bertha, und


