Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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ihre Arbeit hinreichte:Was meinſt Du, liebe Lina, ich glaube faſt das Kittelchen hier wird zu klein?

Zu klein? erwiederte Karoline und lachte herz⸗ lich;Bei Dir wird Alles zu groß, Bertha! Du machſt Dir wohl auf einen kleinen Rieſen Rechnung, oder iſt es Sparſamkeit von Dir, daß Du meinſt das Zeug ſolle ein ganzes Jahr lang aushalten?

Oder auch, Karoline, fiel Bertha ein, und eine Thräne, welche in ihrem Auge perlte, ſiel auf die Arbeit nieder,weil ich zuweilen denke, daß dies das Erſte und Letzte iſt, das ich für mein Kind arbeite, und deßhalb Alles hübſch und recht machen will, damit ihm nicht all⸗ zufrüh eine fremde Hand Neues fertigen möge.

O Bertha, Bertha, gellebte Schweſter, ſprich nicht ſol bat Karoline zitternd und ſiel ihr um den Hals, Du erſchreckſt mich; Deine Stimme klingt ſo ernſt, ſo beweglich, daß ſie mich ſchaudern macht. Du, meine holde, gute Bertha, Du, die Hälfte meines Lebens, ſollteſt von mir ſcheiden, Deinen Gatten verlaſſen, den Du ſo innig liebſt, der Dich faſt anbetet, und Dein Kind, das Dir des Himmels Seligkeit bereiten wird Du ſollteſt das ſchöne, heitre Leben verlaſſen wollen! Nein, gute Bertha, glaub' das nicht, vergönne ſolchen düſteren Gedanken keine Macht über Dich, verſprich mir dies, hörſt Du Bertha! Du mußt es mir hellig verſprechen.

Bertha erzwang ein mattes Lächeln, ließ den Kopf auf die Bruſt ſinken und gab keine Antwort.

Da ergriff Karoline wieder das Wort:Du weißt, beſte Schweſter, ich bin vier Jahre älter als Du, und unſere Mutter hat Dich auf ihrem Todenbette meiner zärtlichen Liebe übergeben, und mir befohlen, Dich vor dem Einfluſſe der krankhaften Ausgeburten Deiner Ein⸗ bildungskraft zu wahren, welche nicht ſelten Herr über Dein Gemüth zu werden pflegten. Du weißt, daß ich ihr dies verſprochen habe, und was ſoll ich nun an jenem großen Rechenſchaftstage antworten, wenn ſie findet, daß meine Bemühung mir nicht gelungen iſt?

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