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Sopha führen, und mechaniſch Alles mit ſich machen, was der gute Doktor in ſeiner freundlichen Fürſorge mit ihm vornehmen wollte.
Der blaſſe junge Mann hieß Dahl, war ein reicher Holz⸗ und Getreldehändler aus der Stadt M.... und hatte vor kaum einem Jahre Karolinens Schweſter ge⸗ ehelicht. Er und der Doktor hatten etwa zu derſelben Zeit um ihre Bräute geworben und nach erhaltenem Jaworte die Hochzeit an einem Tage gefelert. Jetzt aber ſielen die Looſe des Schickſals ungleich. Ein Jahr verſchwand zwar beiden jungen Paaren in ſo ungetrüb⸗ ter Seligkeit, als ſie die Welt nur immer zu bieten vermag, aber wie gewöhnlich, ſolgte auch hier das Un⸗ glück dem Glück auf dem Fuße nach. Die unerbittlichen Mächte ſordern ſtrenge ihren Zoll— und nur wenige Augenblicke laſſen ſie das menſchliche Herz die Süßig⸗ keiten eines glücklichen Lebens genießen, um es die Bit⸗ terkeit, mit welcher ſie es lücklſch erfüllen, nur noch her⸗ ber fühlen zu laſſen.
Oft, wenn die Männer durch ernſthaſtere Geſchafte gehindert waren, ihren jungen Frauen Geſellſchaft zu leiſten, ſaßen dleſe allein zu Hauſe, und das Thema ihres nie ruhenden Zweigeſprächs waren ihre Hoffnungen auf die Zukunſt, welche den angehenden Müttern noch unter dem Herzen ſchliefen. Welch' reicher Stoff für zarte ächt weibliche Weſen, die der Schöpfer zu dem ſeligen Mutterberufe beſtimmt hat! Bertha und Karoline fühlten beide die Wichtigkeit dieſer Bedeutung, und wie glücklich waren ſie ulcht in jenen Augenblicken, wo ſie einander ihre Gefühle, ihre Anſichten, ihre Hoffnungen
und zuweilen auch ihre Befürchtungen mittheilten; denn
welchen Weibern ſollten in einer ſolchen Lebensepoche dieſe nicht aufſteigen! 8 Eines Abends, da ſie wieder vertraulich beifamen
ſaßen und an dem Kinderzeug für die zu ermartenden eeblinge nähten, ſagte Bertha, indem ſie der Schweſter


