Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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zu gehen, es möge nun kommen, wie es wollte, denn ſie verehrte ihren Gatten ſehr hoch, und wollte ihm durch keine zu weit getriebene Hartnäckigkeit gegen ſeine Anſicht ferner zu nahe treten. Aber vollſtändig ihrer Lieblings⸗ idee hingegeben, an welcher ſie mit der ganzen ſchwär⸗ meriſchen Heftigkeit eines Weibes hing, wenn es gilt, ſie gegen eine feindliche Ueberzeugung zu vertheidigen, er⸗ wartete ſie faſt mit Todesangſt den Ausſchlag Bundlers, auf ihre letzte Einwendung.

Endlich preßte Bundler mit einem tiefen Seufzer die bedeutungsvollen Worte heraus:Nun denn, in Got⸗ tes Namen, liebe Karoline! Ich vermag Deine Thrä⸗ nen und Bitten keinen längern Widerſtand entgegenzu⸗ ſetzen. Mögen Sie ſich in des Himmels Namen in Deine Milch und in die Zärtlichkeit der alten Liſe theilen. Gott gebe, daß mich meine allzugroße Nachgiebigkeit gegen Deinen Wunſch nie reuen möge!

O dieß wird, dieß ſoll gewiß nie der Fall ſein, mein liebſter, einziger Bundler, verſetzte Karoline ver⸗ trauensvoll, ſchlang den einen Arm um dem Hals des Gatten und drückte mit dem andern ihr Kind näher an die junge, von den füßeſten, reinſten Gefühlen ſchwellende Mutterbruſt. Glaube mir, dieſer Schritt wird keine ſo bittre Folgen nach ſich ziehen, wie Du zu fürchten ſcheinſt. Nein, ſicher nicht! Mein Herz ſagt mir, daß es uns die edelſten Früchte bringen und unſre ſpäteſte Zukunſt noch verſchönern wird.

Jetzt öffnete ſich die Thüre, ein junger, blaſſer Mann

in tiefſter Trauer trat ein, und näherte ſich der häus⸗

lichen Gruppe. Karoline ſtand auf, legte ihr Kind raſch

in die Wiege, deckte es ſorglich zu, um es vor dem leiſe⸗

ſten Luftzuge zu ſchützen und reichte mit dem Ausdrucke des innigſten Mitgefühls dem Fremden die Hand. Ihre Theilnahme ſchien ihm wohl zu thun! denn ein leichtes, faſt unmerkliches Lächeln, deſſen Grund leicht zu errathen

war, zog über ſeine zitternden Lippen, als er Karollnens

warmen Handdruck fühlte. Dann ließ er ſich von Bundler zum

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