Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Aber ſchnell flog ihm ein Gedanke durch den Kopf, einen letzten Verſuch zu wagen, er beugte ſich zur Seite, und nahm aus der kleinen Wiege, welche neben ihnen ſtand, ein kaum zwei Monate altes Kind, einen kleinen Knaben mit ſchwarzen Haaren.

Karoline, gellebte, beſte Gaitin, ſagte er weich, und legte ihr das Kind in den Schooß,ſo laß denn unſern kleinen Engel Dich erbitten, wenn Deines Gatten Flehen und Vorſtellungen nichts mehr fruchten. Sieh' wie er lächelt, wie er ſeine kleinen Händchen nach ſeinem rechtmäßigen Eigenthum ausflreckt. Kannſt Du ihm rauben, was ihm allein gehört, kannſt Du zuſehen wol⸗ len, wie unſer theures, heißgeliebtes Kind, das jetzt noch

munter und ſtark iſt, aus Mangel an hinrelchender Nah⸗

rung dahinſchmachtet und verwelkt?

Mit warmer Mutterzärtlichkeit drückte Karoline den

4. Kleinen an ihre Bruſt, allein ihr Entſchluß blieb uner⸗ ſchütterlich.

Liebſter Bundler, liſpelte ſie in einem Tone, der ihm bis ins innerſte Herz drang,Du weist, wie treu, wie innig, wie unausſprechlich ich Dich und unſer Kind

3 liebe. Kannſt Du glauben, daß ich, bei dem lebendigſten ie Gefühle meiner Pflichten, als Mutter und Gattin, Euch

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ld zu übervortheilen gedenken könnte, wenn ich nicht der er feſten, zuverläßigen Ueberzeugung wäre, daß ich mit dem ſ⸗ nagenden Bewußtſein meines gebrochenen Wortes, nie, in niemals im ganzen Leben je wieder Ruhe und Frieden du zu finden vermochte. Sieh', liebſter Mann, dann könnte k⸗* erſt unſerm kleinen Gotthardt in der That die nährende er Quelle verſiegen, oder würde noch ſchlimmer, durch den ht zehrenden Gram vergiftet, und die kräftige geſunde Milch zur todbringenden Nahrung werden!

tin Der Doktor ſchwieg, er ſah ein, daß es verlorne k⸗ Mühe war noch weitre Vernunftgründe geltend machen te, zu wollen. Beide fühlten, daß dieſes Schweigen den ine Streit entſcheide. Karolinen pochte das Herz gewaltſam. 8 4 Sie hatte den heimlichen Entſchluß gefaßt, nicht weiter