Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

daß Du Dich ſelbſt, Deine Geſundheit, ja Dein Leben aufs Spiel ſetzeſt, wirfſt Du mir kalten Egoismus und Mangel an Gefühl für das hil loſe Kind vor. Vergieb mir, liebſter, beſter Bundler, bat Karoline in ſanftem Tone, und fuhr ſchmeichelnd mit der Hand über ihres Gatten gerunzelte Stirne.Vergieb mir, liebſter, beſter Bundler. Ich gebe gerne zu, daß ich ſehr unpaſſend, und gegen meine eigene Ueberzeugung geſpro⸗ chen habe, denn wer kann Dich beſſer kennen und höher ſchätzen als ich, welche tägliche Zeugin aller Deiner . Handlungen, all' Deines Thuns and Laſſens iſt, in Deinem Innern leſen kann, und Alles mit Dir theilt, was Dein Herz bewegt; aber, liebſter Bundler, der Schmerz verwirrt mir den Kopf. Nur Eins iſt mir klar, und dieß iſt der Gedanke, daß, obgleich Du glaubſt meine Geſundheit werde darunter leiden, wenn mein Wunſch in Erfullung geht, ich im Gegentheile der feſten Ueberzeugung bin, daß ſie nur dann wirklich Schaden leiden wird, wenn ich ihn mir verſagen muß. Ja, glaube mir, Liebſter, es iſt wahrlich ſo. Tag und Nacht würde Bertha's Schatten mir vor Augen ſchweben, Nacht für Nacht würde ich ihre klagende Stimme hören, wie ſie mir vorwirft, daß ich mein Gelübde gebrochen, und bald würde der Gram darüber mich eines ſolchen Bruchs, der die Ruhe der Entſchlafenen ſtört, ſelbſt anklagen zu müſ⸗ ſen, tödtliches Gift in meine Adern gießen; und wenn wir uns dann dort oben endlich wieder treffen, und Du hier mit Deinen jungen mutterloſen Waiſen alleln zurück⸗ bleibſt, dann, Geliebter, wirſt Du Dich zu ſpät über Deine Hartnäckigkeit grämen, ſo vortrefflich Deine Abſicht auch dabei geweſen ſein mag 1 Schwärmerin! ſchmählte er, und zog ſeine Gattin an ſein noch unruhiger klopfendes Herz. Der gute Dok⸗ tor getraute ſich nicht ſeiner Gattin in das thränenfeuchte, fanftflehende Auge zu blicken, denn er kannte ſeine

Schwachheit, und fürchtete am Ende, gegen ſeine beſſere

Ueberzeugung als Arzt und Gatte nachgeben zu müſſen.