11¹⁰ nicht läuten hören, und getraut ſich ſelbſt nicht, ihnen an ihrem Hochzeitstage ſo nahe zu ſeyn. So brachen wir denn bei guter Zeit auf und kamen hieher. Ich habe mir's nun genauer erwogen, was ich gethan habe,“ ſetzte Kaleb nach einer kurzen Pauſe hinzu;—„ich habe ſelbſt mit mir gezankt und mich getadelt, bis ich mir nicht mehr zu helfen wußte, daß ich ihr ſoviel Kum⸗ mer bereitet hatte. Nun bin ich zu dem Entſchluſſe gekommen, der auch wohl der beſte ſeyn wird, ihr Alles zu ſagen, wenn Ihr, liebe Madamm, derweilen bei mir bleiben wollt. Nicht wahr, Ihr wollt meinem Geſtänd⸗ niſſe beiwohnen?“ fragte er, am ganzen Leibe zitternd;— „ich weiß zwar nicht, was für eine Wirkung es auf ſie ausüben wird; ich weiß nicht, was ſie alsdann von mir denken wird, und ob ſie überhaupt ſich hernach noch um ihren armen Vater wird kümmern wollen. Allein es iſt am beſten für ſie, ich enttäuſche ſie jetzt, und ſo muß ich denn die Folgen tragen, wie ich ſie verdient habe!“
„Mary,“ ſagte Bertha,—„wo iſt Deine Hand? Aha, hier iſt ſie! hier iſt ſie!“— Dabei führte ſie ſie an ihre Lippen, küßte ſie lächelnd und nahm ſie unter ihren Arm.—„Ich hörte geſtern Abend wie ſie leiſe unter einander ſprachen, und einen Tadel auf Dich war⸗ fen; aber gewiß, ſie hatten Unrecht!“
Des Kärrners Frau blieb ſtille, aber Kaleb ant⸗ wortete für ſie.„Sie hatten Unrecht!“ ſagte er.
„Ich wußte es wohl,“ rief Bertha ſtolz;— vich ſagte es ihnen auch; ich verwies es ihnen mit Verachtung, daß ſie mich auch nur ein Wörtchen davon ahnen ließen! Wie, ſie mit Recht zu tadeln!“ rief ſie, drückte Dot's Hand in der ihrigen, und zog ihre weiche Wange an ihren Mund;—„nein, nein, ich bin nicht ſo blind, um das zu glauben!“
Ihr Vater trat auf ihre eine Seite, während Dot auf der andern blieb und ihre Hand feſthielt.
„Ich kenne Euch Alle,“ ſagte Bertha;—„ich fenne Euch beſſer als Ihr glaubt, aber Niemand iſt mir
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