1⁰⁵
ren;—„dann muß ich Euch falſch verſtanden haben. Das konnte doch unmöglich Euer Ernſt ſeyn?“
Der Kärrner griff mit ſeiner ſtarken Hand nach Tackleton's Rockkragen und ſchüttelte ihn wie eine Gerte. „Hört mich an,“ ſagte er,„und gebt Euch Mühe, daß Ihr mich recht verſteht! Hört mich an;— ſpreche ich Euch deutlich genug?“
„O gewiß, ſehr deutlich,“ gab Tackleton zur Ant⸗
wort.
„Glaubt Ihr, daß ich im Ernſte rede?“ fragte John.
„Ich glaube, daß es Euch ſehr Ernſt iſt!“ rief der Spielwaarenhändler ängſtlich.
„Ich ſaß geſtern Abend und die ganze lange Nacht auf dieſem Heerde,“ fuhr der Kärrner fort;—„auf dem⸗ ſelben Flecke, wo ſie ſo oft neben mir geſeſſen, und mit ihrem lieben Antlitz mir in die Augen geſchaut hat. Ich rief mir ihr ganzes Leben Tag um Tag in’s Gedächtniß zurück, ihr eigenes liebes Ich zog in jeder Handlung, in jedem einzelnen Zuge an mir vorüber, und bei mei⸗ ner Seelel ſie iſt unſchuldig, ſo wahr es einen Richter über uns giebt, der Unſchuld und Schuld zu unterſchei⸗ den weiß!“
Wackeres Heimchen auf dem Heerde! Treue Elfen, Schutzgeiſter des Hauſes!
„Leidenſchaft und Mißtrauen ſind von mir gewichen,“ fuhr der Kärrner fort,„und nur mein Schmerz iſt noch bei mir geblieben. In einem unglücklichen Augenblicke kehrte ein ehemaliger Geliebter von ihr zurück, der für ihren Geſchmack und ihre Jahre beſſer paßte, als ich; ſie hat ihn um meinetwillen vielleicht gegen ihren Willen verlaſſen müſſen. In einem unglücklichen Augenblicke der Ueberraſchung, wo ſie nicht Zeit hatte darüber nach⸗ zudenken was ſie that, machte ſie ſich zur Mitſchuldigen ſeines Verraths, indem ſie ihn verhehlte. Geſtern Nacht ſah ſie ihn unter vier Augen, wobei wir ſie beobachteten. Das war Unrecht von ihr, aber auch ihr einziger Feh⸗


