14 war groß, denn er mußte ſich ziemlich tief bucken, um ſte küſſen zu können. Es war aber auch der Mühe werth, ihr einen Kuß zu geben; ein Burſche von ſechs Fuß ſechs Zoll hätte es gethan, auf die Gefahr hin, das Len⸗ denweh davon zu bekommen.
„Ei du liebe Zeit, John!“ rief Mrs. Peerybingle; „in was für einem Zuſtande kommſt Du heute nach Haus, bei dieſem Wetter?“
Es war freilich nicht zu läugnen, daß er ſchlimm genug zugerichtet war. Der dicke Nebel hieng wie gefrorner Thau in Klümpchen in ſeinen Wimpern, und zwiſchen Nebel und Feuer ſchillerten Regenbogen in ſeinem Backenbart. „Je nun, ſieh, Dot!*)“ verſetzte John ſo langſam, als er ein langes Tuch von ſeinem Halſe abwickelte, undwärmte ſich dann die Hände am Feuer;—„je nun, Dot, wir haben heute auch kein Sommerwetter und ſo darf Dich's denn nicht wundern!“
„Es wäre mir lieber, Du nennteſt mich nicht mehr Dot, John! Der Name gefällt mir nicht!“ erwiederte Mrs. Peerybingle und ſchmollte dabei auf eine Weiſe, welche offenbar zeigte, daß ſte es ſehr gerne leiden mochte.
„Aber was biſt Du denn ſonſt?“ meinte John, der mit freundlichem Lächeln zu ihr herabſchaute und ihr einen ſo leichten Schlag auf die Hüfte gab, als ſeine plumpe Hand und ſchwere Arme erlaubten;— ein Punkt und— dabei blickte er auf den Säugling— ein Punkt und ein Pünktchen— ich ſollte es eigentlich nicht ſagen, denn ich fürchte faſt, ich ärgere Dich, und da hätt ich faſt einen Witz gemacht— ja wahrlich, ich wüßte nicht, daß ich je näher daran geweſen wäre..“
Er war oft daran, wie er ſelbſt ſagte, einen Witz oder ſonſt einen geſcheiten Streich zu machen, dieſer vierſchrötige, gemächliche, ehrliche John; ja wohl, der wackere Burſch war ſo ſchwerfällig von Weſen, wie leicht und heiter von Gemüth; ſo rauh von Außen und doch
*) Wörtlich Punkt, Tüpfelchen auf einem i.


