196 Raum war umzäunt, alter Epheu hatte neue Wurzeln ge⸗ nommen und wuchs wieder grün zwiſchen Trümmern. Ein Thor im Zaun ſtand offen, ich trat ein.
Ein kalter Nebel war aufgezogen und der Mond hatte ihn noch nicht zerſtreut. Die Sterne ſchienen durch und der Mond zog herauf und der Abend war nicht dunkel. Ich konnte jeden Theil des alten Hauſes auffinden und ſah dann den wüſten Garten entlang, als mir eine Geſtalt erſchien.
Sie zeigte, daß ſie mich auch erblickt habe, kam mir entgegen, ſtand dann ſtill. Es war eine Frauengeſtalt. Sie wollte fortgehen, aber plötzlich ſtand ſie ſtill und er⸗ wartete mich. Sie ſtieß erſtaunt meinen Namen aus und ich rief:
„Eſtella!“
„Ich bin ſehr verändert, mich wundert es, daß Sie mich wiedererkennen.“ 3
Allerdings war ihre friſche Schönheit verſchwunden, allein ihr unbeſchreiblicher Zauber war noch da. Dieſen Zauber hatte ich früher geſehen— das ſanfte Licht der einſt ſo ſtolzen Augen war mir neu, der ſanfte Druck der früher ſo unempfindlichen Hand war mir unbekannt ge⸗ blieben.
Wir ſaßen auf einer Bank. Ich ſagte:„Iſt es nicht ſeltſam, Eſtella, daß ich Sie hier, wo wir uns zuerſt ge⸗ funden, nach ſo vielen Jahren wiederfinde? Kommen Sie oft hierher?“
„Ich bin ſeitdem niemals hier geweſen.“
„Auch ich nicht.“
Der Mond war aufgegangen und ich dachte an den
*


