Teil eines Werkes 
7.-9. Th. (1844)
Entstehung
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Unſtun! Unſinn! rief Herr Mould,ich bitte Sie, hören Sie auf, Frau Gamp!

Das Kompliment der Alten that ihm jedoch ſo von Herzen wohl, daß er ſeine Frau vor lauter Freuden bei dieſen Worten tüchtig in den Arm klemmte.

Ich verſichere Dich, lieber Schatz! ſprach er zu ſeiner theuern Ehehälfte, als Frau Gamp endlich den Rücken gewandt hatte;dieſe Frau hier iſt ein recht geſcheidtes Weib; dieſe Frau hat einen Verſtand, der ihrer Stellung im Leben bei weitem überlegen iſt! Die Bemerkungen und Betrachtungen dieſer Frau ſind ganz ungewöhnlich gut, und ſie gehört in der That zu denjenigen Frauenzimmern, ſetzte Herr Mould hinzu, während er ſein ſeidenes Taſchentuch wieder über die Glatze zog und ſich zu ſeinem Schläſchen vorbereitete, ſte gehört zu denjenigen Frauenzimmern, die man vor lauter Liebe faſt umſonſt und zwar noch auf recht augen⸗ fällige Weiſe begraben möchte.

Frau Mould und ihre Töchter waren hierin unbe⸗ dingt der Anſicht ihres würdigen Vaters. Der Gegen⸗ ſtand bemeldeter Betrachtungen hatte inzwiſchen die Straße erreicht, wo die Luft einen ſo üblen Einfluß auf ſie ausübte, daß ſie genöthigt war, eine Zeit lang unter einem Thorwege unterzuſtehen, um ſich wieder zu erholen. Selbſt nach dieſer Vorſichtsmaßregel war ihr Gang noch ſo unſteter Natur, daß ſie die theilnehmenden Blicke ver⸗ ſchiedener gutmüthiger Gaſſenjungen auf ſich zog, die das lebhafteſte Intereſſe an ihrem Unwohlſeyn nahmen und ihr in ihrer einfachen Sprache die Bitte zugehen ließen, gutes Muths zu ſeyn, da ſie ja im Ganzen doch nicht zu viel geladen habe.

Wie ihr nun auch zu Muthe ſeyn mochte oder welchen Namen nur immer die mediciniſche Terminologie ihrem Zuſtande geben mochte, ſo war doch ſo viel ge⸗ wiß, daß Frau Gamp trotzdem den Heimweg recht gut zu finden wußte, noch bei guter Zeit das Haus von An⸗

Boz, Chuzzlewit. III. 15