—
13
fühlte er doch, daß es ſehr unartig und noch weniger dankhar ſeyn würde, einen ſolchen Vorſchlag abzulehnen, wenn ſein offenherziger Gönner ihn bei irgend Jemanden einführen wolle, und ſo opferte denn, vielleicht zum Erſtenmale in ſeinem Leben, Martin ſeinen eigenen Willen dem Gutdünken und Wünſchen eines Andern auf und gab ſeine Zuſtimmung mit Dank zu erkennen. Das Reiſen hatte ihn alſo wenigſtens in ſo weit abgeſchliffen. Herr Bevan pochte an der Thüre eines ſehr hübſchen Hauſes von mäßiger Größe, wo aus den Fenſtern des Wohnzimmers die Lichter hell auf die inzwiſchen dunkel gewordene Straße herabſchienen. Alsbald wurde die Thüre durch einen Mann geöffnet, der ein ſo ausnehmend iriſches Geſicht beſaß, daß es nicht anders ſchien, als müſſe man ihm nach Recht und Billigkeit Lumpen ſtatt der Kleidung wünſchen und als habe er durchaus keine Anſprüche darauf, vor Jemanden in einer vollſtändigen angemeſſenen Kieidung ſich zu zeigen.
Mark wurde der Obhut dieſes Phönomens entzogen, denn für ein ſolches erſchien dieſer Mann in Martins Augen— und Herr Bevan ſchritt ſeinem Freunde nach dem Zimmer voran, das einen lieblichen Schein auf die Straße hinuntergeworfen und führte Herrn Chuzzlewit bei den Bewohnern als einen jungen Herrn von Stande aus England ein, deſſen Bekanntſchaft er ganz neuerdings zu machen das Vergnügen gehabt habe. Sein Gruß und Willkommen wurde mit aller Höflichkeit und Anmuth entgegengenommen und erwiedert, und ehe fünf Minuten vergangen waren, ſaß Martin auf das Behaglichſte in traulichem Geplauder neben den Leutchen am Kamin und wurde mit der ganzen Familie aufs Genaueſte bekannt. Es waren zwei junge Damen im Hauſe, die eine acht⸗ zehn, die andere zwanzig Jahre alt— beide ſehr ſchlank, aber auch ſehr huͤbſch; ferner noch ihre Mutter, die, wie Martin dachte, weit älter und verblühter ausſah, als man eigentlich hätte erwarten können; und endlich die Großmutter der jungen Mädchen, eine kleine, lebhafte


