Teil eines Werkes 
1.-4. Bd. (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

wie ich fühlte, daß ich ſie hätte lieben müſſen, wenn ich ein beſſeres Mädchen geweſen wäre.

Dieß machte mich, ich kann es wohl ſagen, noch ſchüchterner und zurückhaltender, als ich von Natur war, und ließ mich in meiner Puppe die einzige Freundin erblicken, bei der ich mein Herz ausſchütten könnte.

Allein es trug ſich, als ich noch ein ganz kleines Ding war, Etwas zu, was zu dieſem Stande der Dinge gar viel beitrug.

Ich hatte noch nie von meiner Mutter ſprechen hö⸗ ren. Zwar hatte ich auch von meinem Vater nie ſpre⸗ chen hören, allein ich intereſſirte mich mehr für meine Mutter. So viel ich mich zu erinnern vermochte, hatte ich nie ein ſchwarzes Kleid getragen; noch nie hatte man mir das Grab meiner Mutter gezeigt. Noch nie war mir geſagt worden, wo es ſich befände. Auch hatte man mich nie gelehrt, für eine andere Verwandtin oder für einen andern Verwandten zu beten, als für meine Tauf⸗ pathin Mehr denn einmal hatte ich dieſen Gegenſtand meines Nachdenkens Mrs. Rachael, unſerer einzigen Dienſt⸗ magd, mitgetheilt. Allein ſie nahm das Licht immer fort, wenn ich im Bette lag(ein anderes recht gutes Weib, das aber gegen mich ſehr ſtreng war), ſagte bloß die SbhttEſther, gute Nacht! ging weg und verließ mich.

Obgleich in der benachbarten Schule, die ich beſuchte, noch ſieben andere Mädchen waren, und obgleich dieſe mich die kleine Eſther Summerſon nannten, ſo war ich doch noch im Hanſe von keiner geweſen. Alle dieſe Mädchen waren zwar ſchon älter, als ich(ich war bei Weitem die jüngſte); aber dennoch ſchien noch eine andere Scheidewand zwiſchen uns zu ſein, wenn ich auch noch diejenige abrechne, daß ſie bei Weitem geſchickter waren, und weit mehr wußten, als ich.

Eine von dieſen Schülerinnen lud mich in der erſten Woche meines Schulbeſuchs(ich kann mich deſſen noch