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mir ganz im Stillen, und dachte immer dabei, daß ich es gerne noch beſſer verſtehen würde. Ich habe keineswegs einen Kopf, der ſchuell faßt. Nur wenn ich eine Perſon recht zärtlich liebe, ſcheint mir ein beſonders helles Licht aufzugehen. Aber auch das mag eine Eitelkeit von mir ein.
3 So weit ich mich noch erinnern kann, wurde ich, gleich einer jener Prinzeſſinnen in den Mährchenbüchern, von meiner Taufpathin auferzogen: der Unterſchied iſt allein der, daß ich nicht bezaubernd war. Wollte man
an dem, was ich hier ſage, zweifeln, ſo würde ich ant⸗
worten, daß ich ſie wenigſtens als meine Taufpathin kannte. Sie war ein gutes, gutes Weib! Jeden Sonn⸗ tag ging ſie drei Mal in die Kirche; Mittwochs und Frei⸗ tags wohnte ſie dem Norgengottesdienſte an, und in Bet⸗ ſtunden fehlte ſie gewiß nie, ſo oft ſolche auch abgehalten werden mochten. Sie war ein ſchönes Weib, und hätte ſie nur auch lächeln können, ſo würde ſie,— ſo pflegte ich zu denken,— einem Engel geglichen haben; aber leider lächelte ſie nie. Sie war ſtets ernſt und ſtreng. Sie ſelbſt war ſo außerordentlich brav und fromm, wie ich glaubte, daß die Schlechtigkeit anderer Leute ſie ihr gan⸗ zes Leben lang nicht dazu kommen ließ, eine heitere Miene anzunehmen.
Was mich betrifft, ſo fühlte ich einen ſolchen Unter⸗ ſchied zwiſchen ihr und mir, ſelbſt wenn ich in Betracht zog, daß ſie ein Weib und ich ein Kind ſei; ich fühlte mich ſo arm, ſo unbedeutend und ſo fremd, daß ich in ihrer Gegenwart mich nie gehen laſſen konnte;— ja, ich kounte ſie nicht einmal ſo lieben, wie ich ſie zu lieben wünſchte. Es machte mich recht traurig, wenn ich ſo bedachte, wie gut ſie und wie unwürdig ich ihrer ſei; und ich pflegte eifrigſt zu hoffen, daß ich endlich ein beſ⸗ ſeres Herz bekommen würde; und ich pflegte das oft mit der lieben alten Puppe durchzuſprechen; aber nie liebte
ich meine Tanfpathin, wie ich ſie hätte lieben ſollen, und
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