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Die Pickwicker. 19
niemals werden Sie wieder an der Krankheit leiden. Ja, Sir, dies iſt'ne kapitale Medizin.— Regelmäßig nehm' ich ſie ein, und ich ſtehe davor, daß ſie alles Uebelbefinden vertreibt, was durch zu viel Luſtigkeit entſteht.«⸗
Nach der Offenbarung dieſes ſchätzbaren Geheimniſſes, leerte Herr Weller nochmals ſein Glas, machte eine höchſt kunſtvolle Verbeugung, und ging langſamen Schritts aus dem Gaſtzimmer.
»Wie gefällt Ihnen das Mittel, das Ihr Vater uns eben mittheilte?« fragte Herr Pickwick lächelnd.
»Ich glaub', er iſt ein Opfer des Eheſtands,« erwie⸗ derte Sam,»wie Blaubarts Haus⸗Caplan mit'ner Thräne des Mittleids ſagte, als er ihn begrub.⸗
Sam's ſehr paſſender Vergleich erforderte keine wei⸗ tere Bemerkung; Herr Pickwick bezahlte, und ſie begaben ſich auf den Weg nach Gray's Inn. Es hatte eben acht Uhr geſchlagen, als ſie in Gray's Inn's ſtillen Hainen ankamen, und die aus den Zugängen wogenden Schaaren von Herren mit beſchmutzten Stiefeln, abgetragenen weißen
Hiüten und ſchäbigen Kleidern, zeigten ihm deutlich an, daß
die meiſten Geſchäftslokale bereits geſchkoſſen ſeien. Seine Vermuthungen waren keineswegs unbegründet; denn als er zwei ſteile und ſchmutzige Treppen hinaufgeſtiegen war, fand er Herrn Perkers Außenthür verſchloſſen; auf Sam's härteſtes Klopfen erſchien Niemand; die Schreiber hatten
ſich alſo ſchon entfernt.
„Das iſt recht fatal, Sam,« ſagte Herr Pickwick,
ich weiß, daß ich ohne den beruhigenden Gedanken, die
verdrießliche Sache einem Manne von Fach anvertraut zu haben, dieſe Nacht kein Auge ſchließen werde.«
„»Da kommt'ne alte Frau die Treppe herauf, Sir,« ſagte Sam; vvielleicht weiß die, wo er aufzufinden iſt. »Heda, alte Dame, wo ſind Herrn Perkers Leute?«
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