158 Nicolaus Nickleby.
„Ich, liebes Kind,« entgegnete Madame Nickleby in verzweifelter Ruhe.»Du haſt es ja geſehen, wie er letzthin war und wie er jetzt iſt. Ich habe es Deinem Bruder ſchon vor mehreren Wochen geſagt, Käthchen, daß ich fürchtete, die Täuſchung werde für ihn zu viel ſein. Du ſiehſt nun, was aus ihm geworden iſt. Du weißt, wie verſtändig, wie gefühlvoll und ehrenhaft er ſprach, als wir ihn in den Garten ſahen, und haſt den entſetzlichen Unſinn gehört, den er heute Abend geſchwatzt hat, haſt auch geſehen, wie er ſich gegen die arme un⸗ glückliche kleine alte La Creevy benahm. Kann Jemand daran zweifeln, wie alles dies geſchehen iſt?«
„Ich möchte es kaum glauben,« antwortete Käthchen ſanft.
„Auch ich möcht' es kaum glauben,« fuhr die Mutter fort.»Wenn ich aher auch die unglückliche Urſache da⸗ von bin, ſo habe ich doch das beruhigende Bewußtſein, deshalb keinen Tadel zu verdienen. Ich erzählte es Ni⸗ colaus,— ich ſagte ihm, Nicolaus, mein lieber Sohn, wir müſſen es wohl überlegen, wie wir verfahren. Er wollte mich aber kaum anhören. Wenn man die Sache gleich im Anfange recht angegriffen hätte, wie es mein Wunſch war zu— Aber ihr Beide ſeid ganz wie Euer armer ſeliger Vater. Ich habe jedoch meinen Troſt und das muß mir genug ſein.“«
Madame Nickleby wuſch ſo ihre Hände in Unſchuld, wies jede Verantwortlichkeit für jetzt und für ſpätere Zeiten von ſich, und ſetzte dann hinzu, ſie hoffe, ihre Kinder möchten nie größere Urſache haben, ſich Vorwürfe zu machen, als ſie habe, und ſchickte ſich an, die Bedeckung zu empfangen, die bald darauf mit der Nachricht zurück⸗
kam, daß der Alte ſicher untergebracht ſei und ſeine


