Nicolaus Nickleby. 125
er die Stirn in große Falten ziehen mußte, um nicht den Hut dabei zu verlieren.»Ein ſolcher Böſewicht iſt mir noch nicht vorgekommen, und mein Camerad ſagt daſſelbe. Er hat ſeiner eigenen Frau das Herz gebrochen, ſeine Töchter aus dem Hauſe gejagt und ſeine Söhne in die Welt hinausgeſtoßen. Es war ein großes Glück, daß er nach ſeinem Toben, ſeinem Geize und ſeinem Trinken endlich verrückt wurde, ſonſt würden wahrſcheinlich meh⸗ rere Andere den Verſtand verloren haben. Hoffnung für ihn! Das fehlte noch.«
Nach dieſem ſeinem Glaubensbekenntniſſe ſchüttelte der Wärter des Verrückten ſeinen Kopf wiederum, griff ärgerlich in den Hut,— denn er hatte durch dieſe Er⸗ zählung ſeine gute Laune verloren— ſtieg auf der Leiter hinunter und trug dieſelbe fort.
Madame Nickleby hatte während dieſes Geſprächs den Mann unverwandt und mit ſtrengem Blicke angeſe⸗ hen. Jetzt ſtieß ſie einen tiefen Seufzer aus, preßte die Lippen zuſammen und ſchüttelte langſam, bedächtig und zweifelhaft ihr Haupt.
»Der arme Mann!« ſagte Käthchen.
»Ach, ja wohl, der Arme!« entgegnete Madame Nickleby. „ Es iſt eine Schande, daß ſolche Dinge geduldet werden! Eine Schande iſt es!«
„»Wie läßt ſich das ändern, Mutter?« fragte Käthchen traurig.»Die Schwächen der Natur—«
»Natur!« wiederholte Madame Nickleby.»Was! Hältſt auch Du den armen Mann für verrückt?«
„»Kann Jemand, der ihn ſieht, eine andere Meinung von ihm haben, Mutter?«
»Nun ſo will ich Dir ſagen, Käthchen,« entgegnete Madame Nickleby,»daß an allen dem kein wahres Wort
iſt und ich mich wundere, wie Du Dich durch eine ſo 9*


