Nicolaus Nickleby. 175
Während ſie nun bereits über die künftige Größe ihrer Tochter nachdachte, wechſelten Sir Mulberry und Lord Frederick Blicke über dem Hute der Frau, den ſie nicht zu Hauſe gelaſſen zu haben ſo ſehr be⸗ dauerte, und ſprachen mit ſichtbarem Entzücken von den vielfachen Reizen des Fräuleins Nickleby.
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„»Welche Freude, welches Glück muß dies liebense
würdige Mädchen für Sie ſein!« ſagte Sir Mulberry.
„Das iſt ſie wirklich, das gutherzigſte, ſanfteſte Kind, und ſo geſchickt!«
„Das ſieht man ihr an,“ bemerkte Lord Veriſopht.
»Und ſie iſt es auch, Mylord. Als ſie in der Schule war, galt ſie allgemein für das geſchickteſte Mädchen, und es waren ſehr geſchickte darin,— fünfundzwanzig junge Damen, von denen jede 25 Guineen bezahlte ohne die Nebenkoſten,— die beiden Fräuleins Domdles z. B., die eleganteſten, reizendſten, geſchickteſten Mäd⸗ chen. Ach, du lieber Gott! ich werde es nie vergeſſen,
welche Freude ſie mir und ihrem armen ſeligen Vater
gemacht hat, als ſie noch in der Schule war, nie;— alle halbe Jahre einen ſo rührenden Brief, worin man uns ſagte, daß ſie das geſchickteſte Mädchen in der Schule ſei und größere Fortſchritte gemacht habe als
alle andern! Ach, ich darf gar nicht daran denken. Die.
Mädchen ſchrieben die Briefe ſelbſt und der Schreib⸗ kehrer beſſerte mit einer ſilbernen Feder nach; wenig⸗ ſtens glaube ich es, daß ſie die Briefe ſelbſt ſchrieben, obgleich es Käthchen ſelbſt nicht gewiß wußte, weil ſie ihre Handſchrift nicht wieder erkannte.“«
Unter ſolchen Geſprächen erreichten ſie den Omni⸗ bus; die beiden Herren aber konnten ſich von ihr nicht trennen, bis der Wagen wirklich abfuhr; da nahmen ſie ihren Hut ab, empfahlen ſich ſehr artig und küßten ihre paille Handſchuhe.
Madame Nickleby lehnte ſich in eine Ecke und über⸗ ließ ſich den freundlichſten Gedanken. Käthchen hatte kein Wort davon geſagt, daß ſie einen von den Herren bei dem Onkel geſehen; das, dachte ſie, iſt ein Beweis, daß ihr einer von ihnen ſehr gut gefällt. Dann aber entſtand die Frage, welcher von beiden dies wohl ſein möge. Der Lord war der jüngere und ſein Titel der höhere; aber Käthchen ließ ſich von ſolchen Nebendin⸗ gen nicht beſtechen.»Ich werde ihren Neigungen nie


