176 Nicolaus Nickleby.
einen Zwang anthun,« dachte Madame Nickleby,»aber ich denke, es kann gar kein Vergleich ſtattfinden zwi⸗ ſchen dem Lord und Sir Mulberry. Sir Mulberry iſt ein ſo artiger, feiner, aufmerkſamer Mann und hat ſo viel für ſich. Ich hoffe, ſie hat ſich für Sir Mulberry beſtimmt, gewiß für ihn.«“ Dann eilten ihre Gedanken zu ihren Prophezeiungen zurück und es fiel ihr ein, wie oft ſie geſagt habe, Käthchen ohne Vermögen werde noch eine beſſere Partie machen als die Töchter ande⸗ rer Leute mit vielen Tauſenden. Als ſie dann mit Mutterliebe ſich die Schönheit und Liebenswürdigkeit des armen Mädchens vorſtellte, das ſich ſo ergeben in die ſchwere Zeit der Prüfung gefügt, wurde ihr das Herz ſo voll, daß ihr die Thränen über die Wangen ſtrömten.
Ralph ging unterdeß in ſeinem kleinen Comptoir auf und ab, denn er konnte das Geſchehene nicht aus den Gedanken bringen. Wir würden die gröbſte Unwahr⸗ heit ſagen, wenn wir behaupten wollten, er habe ein Geſchöpf Gottes geliebt oder ſich viel um daſſelbe ge⸗ kümmert, aber bisweilen ſchlich ſich doch ein gewiſſes Mitleiden mit ſeiner Nichte in ſein Herz, und faſt ge⸗ gen ſeinen Willen ſah er das Mädchen mit theilneh⸗ mendern und freundlichern Blicken an als alle übrigen Menſchen.
»Ich wollte,“ dachte Ralph,»ich hätte es nicht ge⸗ than. Aber es wird den jungen Burſchen bei mir hal⸗ ten, ſo lange noch Geld an ihm zu verdienen iſt. Ein Mädchen zu verkaufen— auf den Weg der Verſuchung zu führen und übler Nachrede auszuſetzen!— Faſt 2000 Pfd. St. habe ich nun ſchon von ihm gezogen.— Bah, thun Mütter, die ihre Töchter verheirathen wol⸗ len, daſſelbe nicht alle Tage?«
Er ſetzte ſich und zählte an den Fingern die Chan⸗ cen für und wider ab.
»Hätte ich ſie auch nicht auf die rechte Spur ge⸗ bracht, ſo würde es dies alberne Weib gethan haben. Iſt das Mädchen ſo tugendhaft, wie es zu ſein ſcheint, was kann Schlimmes daraus entſtehen? Etwas Gram — einige Thränen. Jal« ſagte er laut, indem er ſeine Kaſſe zuſchloß.»Sie mag ſelbſt zuſehen.«
Ende des dritten Theiles.


