Teil eines Werkes 
3. Th. (1839)
Entstehung
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Nicolaus Nickleby.

Knag, v»es iſt nicht ihre Schuld. Wenn es das wäre, ſo könnten wir hoffen, ſie davon zu befreien; aber da es ihr Unglück iſt, Madame Mantalini, nun, Sie wiſſen ja, was der Mann von dem blinden Pferde ſagte ſo müſſen wir es verzeihen und dulden.«

»Ihr Oheim ſagte mir, ſie habe für hübſch gegol⸗ ten,« ſagte Madame Mantalini.»Mir ſcheint ſie eines der gewöhnlichſten Mädchen zu ſein, die mir noch vor⸗ gekommen ſind.«

»Gewöhnlich!« rief Mademoiſelle Knag mit einem Geſichte aus, das vor Freude ſtrahlte,»und unge⸗ ſchickt! Aber ich muß Ihnen ſagen, Madame Manta⸗ lini, daß ich das arme Mädchen recht lieb habe; ſähe ſie auch noch gewöhnlicher aus und wäre ſie noch ein⸗ mal ſo ungeſchickt, als ſie iſt, ſo würde ich nur um ſo mehr ihre Freundin ſein, ganz gewiß.«

Mademoiſelle Knag hatte wirklich eine angehende Zuneigung für Käthchen gefaßt, nachdem ſie den miß⸗ lungenen Verſuch am Morgen mit angeſehen, und die⸗ ſes kurze Geſpräch mit ihrer Gebieterin ſteigerte ihr günſtiges Vorurtheil für das Mädchen zu einem außer⸗ ordentlich hohen Grade, was um ſo merkwürdiger war, da ſie bei dem erſten Anblicke Käthchens eine gewiſſe Ahnung gefühlt hatte, daß ſie nicht auf dem beſten Fuße miteinander leben würden.

Ja, ja,« ſagte Mademoiſelle Knag, indem ſie ſich in einem Spiegel betrachtete,»ich habe ſie lieb, recht lieb, und kann es Ihnen nicht verſchweigen.

Dieſe Freundſchaft war ſo ganz uneigennütziger Art und über die kleine Schwachheit der Schmeichelei oder Böswilligkeit ſo hoch erhaben, daß die gutmüthige Ma⸗ demoiſelle Knag am andern Tage Käthchen Nickleby geradezu ſagte, ſie ſehe, ſie, Käthchen, ſei durchaus für