Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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174 Nicolaus Nickleby.

len, die er hervorbrachte. Kaͤthchen vergoß viele bittre Thränen, ſo wie die Damen ſich entfernt hatten, und fühlte ſich zum erſten Male durch ihre Beſchäftigung erniedrigt. Sie hatte allerdings bei der Ausſicht auf Dienſtbarkeit und harte Arbeit gezagt; aber ſie hatte keine Herabwürdigung darin gefühlt, daß ſie ihr Brot durch den Fleiß ihrer Hände verdienen mußte, bis ſie ſich der Beſchimpfung und den Mißhandlungen des ge⸗ meinſten Hochmuthes ausgeſetzt ſah. Reiferes Nach⸗ denken würde ſie belehrt haben, daß die Herabwürdigung auf der Seite derer war, die ſo tief geſunken waren, daß ſie ſich nicht enthalten konnten, die niedrigſten Lei⸗ denſchaften ohne alle Urſache zu zeigen; aber ſie war zu jung, um für ſolchen Troſt empfänglich zu ſein, und ihr gerechtes Ehrgefühl war verletzt. Sollte nicht die Klage, daß gemeine Leute über ihren Stand hinaus wollen, oft ihren Grund darin haben, daß vornehme Leute ſich ſelbſt unter den ihrigen herabſetzen?

Unter ſolchen Auftritten und Beſchäftigungen ver⸗ ging die Zeit bis zu der ſpäten Abendſtunde, wo Käth⸗ chen, erſchöpft und entmuthigt von den Vorgängen des Tages, aus dem Zwange des Arbeitszimmers hinaus⸗ eilte, um ihre Mutter an der Straßenecke aufzuſuchen und mit ihr nach Hauſe zu gehen; um ſo trauriger, je mehr ſie ihre wahren Gefühle verbergen und den Schein annehmen mußte, als theile ſie alle die überſpannten Einbildungen ihrer Begleiterin.

»Gott ſei meiner armen Seele gnädig, Käthchen,« ſagte Madame Nickleby,»ich habe den ganzen Tag daran gedacht, wie angenehm es für Madame Manta⸗ lini ſein müßte, Dich zur Theilhaberin an ihrem Ge⸗ ſchäfte anzunehmen. Du kannſt ſelbſt urtheilen, wie wahrſcheinlich dies iſt. Die Schwägerin von der Nichte