Nicolaus Nickleby. 171
Gegenſtand der Unterhaltung zu wechſeln wünſchte, keine Bemerkung weiter machte, ſondern Mademoiſelle Knag in dem unbeſtrittenen Beſitz des Feldes ließ.
Nach kurzem Schweigen, während deſſen die meiſten der jungen Damen Käthchens Aeußeres einer genauen Beſichtigung unterwarfen und darüber in der Stille mit einander berathſchlagten, erbot ſich eine von ihnen, ihr den Shawl abzunehmen, und fragte, als dies Anerbie⸗ ten angenommen wurde, ob ſie nicht fände, daß ſchwarz eine recht beſchwerliche Tracht ſei.
»Das finde ich freilich,« entgegnete Käthchen mit einem bittern Seufzer.
»So ſtaubig und heiß,« bemerkte dieſelbe Rednerin, indem ſie ihr das Kleid zurechtzog.
Käthchen hätte wohl ſagen können, daß ſchwarz die kälteſte Tracht iſt, welche Sterbliche anlegen können; daß ſie nicht allein das Innerſte derer erkältet, die ſie tragen, ſondern daß ſie ihren Einfluß auch auf unſere Sommerfreunde erſtreckt, die Quellen ihres Wohlwol⸗ lens und ihrer Liebe einfrieren und die Knospen der Verſprechungen, mit denen ſie einſt ſo freigebig waren, verwelken läßt, ſo daß wir nichts mehr ſehen, als die unverhüllten vermoderten Herzen. Es giebt Wenige, die einen Freund oder Verwandten verloren, welcher im Leben ihre einzige Stütze war, und die nicht dieſe erkäl⸗ tende Wirkung ihres düſtern Gewandes empfunden hät⸗ ten. Sie hatte dieſelbe auf das Bitterſte empfunden, und konnte ſich, da ſie dieſelbe in dieſem Augenblicke empfand, der Thränen nicht enthalten.
»Es thut mir ſehr leid, Sie durch meine gedan⸗ kenloſen Worte verletzt zu haben,« ſagte ihre Genoſſin. »„Ich habe daran nicht gedacht. Sie ſind in Trauer um einen nahen Verwandten.«


