Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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170 Nicolaus Nickleby.

»Iſt er nicht ein bezauberndes Weſen?

»Ich muß geſtehen, daß er auf mich durchaus nicht dieſen Eindruck gemacht hat,« erwiederte Käthchen.

»Nicht, meine Liebe?« rief Mademoiſelle Knag aus und hob die Hände in die Höhe.»Ei, du himmliſche Güte, was für einen Geſchmack haben Sie? Ein ſo ſchöner, großer, prächtiger, vornehm ausſehender Mann, mit ſolchen Zähnen und Haaren, einem ſo ſtarken Barte und hml nun, Sie ſetzen mich in Verwunderung!«

»Ich geſtehe ein, daß ich recht thöricht bin,« entgeg⸗ nete Käthchen, indem ſie ihren Hut bei Seite legte.»Da aber meine Meinung für ihn ſo wenig, als für Andere die geringſte Bedeutung hat, ſo bedaure ich es eben nicht, daß ich ſie angenommen habe, und werde mich nicht über⸗ eilen, ſie zu ändern, denke ich.«

»Er iſt aber doch ein ſehr hübſcher Mann, halten Sie ihn nicht dafür?« fragte eine der jungen Damen.

»Das mag er wohl ſein, wenigſtens möchte ich nicht das Gegentheil behaupten,« erwiederte Käthchen.

»Und reitet ſehr ſchöne Pferde, thut er das nicht?« fragte eine Andere.

»Das iſt wohl möglich, ich habe ſie aber nie geſehen,⸗ antwortete Käthchen.

»Nie geſehen?« fiel Mademoiſelle Knag ein.»Ja, da kann ich mir Alles erklären. Wie wäre es möglich, daß Sie eine Meinung über einen Herrn hätten hm! wenn Sie ihn nicht geſehen haben, wie er ſich in ſei⸗ ner ganzen Figur ausnimmt?«

Es lag ſo viel Welterfahrung ſelbſt von der Er⸗ fahrung der kleinen Welt, in der das Landmädchen ſich bisher bewegt hatte in dieſer Vorſtellung der alten Putzmacherin, daß Käthchen, die um jeden Preis den