Nicolaus Nickleby. 161
»Ich komme nach ihrer eigenen Beſtellung,« ſagte Käthchen;»ich ſoll— ich ſoll hier arbeiten.«
»Ach, dann hätten Sie die Klingel für die Arbeite⸗ rinnen ziehen ſollen,« bemerkte der Bediente, indem er mit der Hand einen Glockenzug an der Thürpfoſte an⸗ faßte.»Laſſen Sie mich ſehen— habe ich's doch ganz vergeſſen— Sie ſind Mamſell Nickleby?«
»Ja,« antwortete Käthchen.
»Daun ſein Sie ſo gut und kommen die Treppe her⸗ auf,« ſagte der Menſch.»Madame Mantalini wünſcht Sie zu ſehen. Hierher! Nehmen Sie dieſe Sachen auf dem Boden in Acht!«
Nachdem der Bediente ſie auf dieſe Weiſe gewarnt hatte, nicht auf ein buntes Gemiſch von Conditorbret⸗ tern, Lampen, Präſentirtellern mit Gläſern und von übereinandergehäuften Tabourets zu treten, welche— die underkennbaren Spuren einer ſpäten Geſellſchaft in der vergangenen Nacht— in dem Vorſaale neben ein⸗ ander lagen, führte er ſie nach vem zweiten Stock hin⸗ auf und brachte ſie in ein Zimmer, das durch Flügel⸗ thüren mit dem Gemache in Verbindung ſtand, in dem ſie die Herrin des Etabliſſements zuerſt geſehen hatte.
»Wenn Sie hier einen Augenblick warten wollen, werde ich es ihr ſogleich ſagen.« Mit dieſem Verſpre⸗ chen, welches er in dem leutſeligſten Tone machte, zog er ſich zurück und ließ Käthchen allein.
Es war eben nicht allzuviel in dem Gemache, wo⸗ mit ſie ſich hätte unterhalten können, und darunter war das vorragendſte ein Bruſtbild in Oel von Herrn Man⸗ talini, den der Künſtter dargeſtellt hatte, wie er ſich nachläſſig den Kopf kratzt und auf dieſe Weiſe einen Diamantring in dem vortheilhafteſten Lichte zeigt, den er vor ihrer Verheirathung von ſeiner Gattin zum Ge⸗ Niiccolaus Nickleby. II. 11


