Nicolaus Nickleby. 71
Augen eine Zeitlang ſchweigend an dem Gefangenen ge⸗ weidet hatte.»Bringt ihn herein, bringt ihn herein!«
»Nimm Dich in Acht,« rief Madame Squeers, als ihr Gatte ſeinen Beiſtand anbot,»wir haben ſeine Beine unter der Decke zuſammengebunden und am Wagen feſt gemacht, damit er uns nicht wieder entwiſchte.«
Mit Händen, die vor Vergnügen zitterten, löſ'te Saueers die Stricke, und Smike, der allem Anſcheine nach mehr todt als lebendig war, wurde in das Haus geſchleift und zu größerer Sicherheit in dem Keller ver⸗ ſchloſſen, bis die Zeit kam, die Squeers dazu beſtimmt hatte, um in Gegenwart der ganzen Schule ſeine Ope⸗ ration an ihm vorzunehmen.
Bei einer flüchtigen Erwägung der Umſtände kann es auffallend erſcheinen, daß das würdige Ehepaar ſich ſo viel Mühe geben mußte, um ſich wieder in den Beſitz einer Laſt zu ſetzen, über die es oft genug die lauteſte Beſchwerde führte; aber man wird dies weniger wunder⸗ bar finden, wenn man bedenkt, daß die mannigfaltigen Dienſte des Sclaven, wenn ſie von andern Händen ver⸗ richtet wurden, wöchentlich einen Thaler oder mehr an Lohn gekoſtet hätten, und außerdem, daß es die Politik in Todtenbuſchhalle erforderte, an allen Ausreißern ein ſtrenges Beiſpiel aufzuſtellen, weil die Anſtalt, mit Aus⸗ nahme des mächtigen Einfluſſes der Furcht, in ihren ei⸗ genthümlichen Reizen zu wenig Anziehungskraft beſaß, um irgend einen der Zöglinge zurückzuhalten, der mit der gewöhnlichen Zahl von Beinen und mit der Fähigkeit begabt war, ſie zu gebrauchen. 3
Die Nachricht, daß Smike gefangen und im Triumphe zurückgebracht war, rannte wie ein Lauffeuer durch die hungrige Gemeinſchaft, und die Erwartung war den ganzen Morgen hindurch auf das Aeußerſte geſpannt.


