58 Nicolaus Nickleby.
nungsloſes Geheimniß war; dennoch ſaß er da und buchſtabirte geduldig die Seite wieder und wieder durch, nicht gereizt durch kindiſchen Ehrgeiz, denn er war der allgemeine Spott und Hohn ſelbſt für die verwilderten Geſchöpfe, die ſich um ihn ſammelten, ſondern allein durch den eifrigen Wunſch getrieben, ſeinem einzigen Freunde zu gefallen.
Nicolaus legte die Hand auf ſeine Schulter.
»Ich kann es nicht fertig bringen,« ſagte das nie⸗ dergedrückte Weſen, dem bitterer Schmerz aus jedem Zuge ſprach.»Nein, nein.«
»So gieb es auf,« verſetzte Nicolaus.
Der Knabe ſchüttelte den Kopf, machte das Buch mit einem Seufzer zu, ſah mit leerem Blicke um ſich her und legte den Kopf auf ſeinen Arm. Er weinte.
»Höre auf um Gottes Willen,« ſagte Nicolaus mit bewegter Stimme;» ich kann es nicht ertragen, Dich ſo zu ſehen.«
»Sie ſind härter gegen mich, wie jemals,« ſchluchzte der Knabe.
»Ich weiß es,« entgegnete Nicolaus.»Das ſind ſie.«
»Wenn Sie nicht wären,« ſagte der arme Ausge⸗ ſtoßene,»würde ich ſterben;— ſie würden mich töd⸗ ten; ſie würden es, ich weiß, ſie würden es.«
»„Du wirſt beſſer daran ſein, armer Burſch,« erwie⸗ derte Nicolaus, indem er traurig den Kopf ſchüttelte, »wenn ich weggegangen bin.«
»Weggegangen!« rief der Unglückliche und ſah ihm ſtarr ins Geſicht.
„»Ruhig!« ermahnte ihn Nicolaus.»Ja.«
»Wollen Sie denn gehen?« fragte der Knabe in angelegentlichem Flüſtern.
„Das kann ich noch nicht ſagen,« antwortete Ni⸗


