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Nicolaus Nickleby. 57
Ueber dieſen Unglücklichen wurde jetzt aller Groll und alle üble Laune ausgeſchüttet, die man an Nico⸗ laus nicht auslaſſen konnte. Die mühſeligſten Knechts⸗ dienſte wären nichts geweſen, denn an dieſe war er längſt gewöhnt. Ohrfeigen, die er ohne alle Urſache er⸗ hielt, waren gleichfalls etwas, was ſich bei ihm von ſelbſt verſtand, da er nie eine beſſere Behandlung er⸗ fahren hatte; aber es war kaum bemerkt worden, daß er Anhänglichkeit an Nicolaus zeigte, ſo ſiel ihm des Morgens, Mittags und Abends nichts anderes zu, als Peitſchenhiebe und Fauſtſchläge, oder Fauſtſchläge und Peitſchenhiebe. Squeers war eiferſüchtig auf den Ein⸗ fluß, den ſein Diener ſo bald gewonnen hatte; ſeine Fa⸗ milie haßte ihn; und Smike mußte beides entgelten. Nicolaus ſah es und knirſchte mit den Zähnen bei jeder Wiederholung eines ſolchen grauſamen und feigen Anfalls.
Er hatte einige regelmäßige Lehrſtunden für die Knaben eingerichtet, und eines Abends ſchritt er in der gräulichen Schulſtube auf und nieder, während ſein vol⸗ les Herz brechen wollte bei dem Gedanken, daß ſein Schutz und ſeine Gunſt das Unglück des elenden Ge⸗ ſchöpfes noch vermehren mußte, deſſen furchtbare Lage ſein Mitleid erweckt hatte. Er blieb mechaniſch in dem dunkeln Winkel ſtehen, wo der Gegenſtand ſeines Kum⸗ mers ſaß.
Die arme Seele lag emſig über einem zerriſſenen Buche, und die Spuren eben erſt vergoſſener Thränen waren noch auf ſeinem Geſichte zu erkennen, indem er ſich umſonſt bemühte, eine Aufgabe zu überwinden, die ein Kind von neun Jahren bei gewöhnlichen Geiſtes⸗ fähigkeiten mit Leichtigkeit gelöſt hätte, die aber für das verworrene Gehirn des unterdrückten und zertrete⸗ nen neunzehnjährigen Burſchen ein verſiegeltes und hoff⸗


