Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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56 Nicolaus Nickleby.

Riekchen verübte,laß ihn ſehen, ob ich Mutter nicht noch etwas mehr gegen ihn aufhetze, wenn ſie zurück⸗ kommt.«

Es war kaum noch nöthig, dies zu thun; aber Fräulein Saueers hielt ihr Wort, und Nicolaus war jetzt nicht allein genöthigt, ſich mit ſchlechter Koſt und ſchmutziger Wohnung zu begnügen und der taͤgliche Zeuge eines traurigen unveränderlichen Kreiſes von un⸗ fläthigem Elende zu ſein, ſondern er erfuhr außerdem noch jede perſönliche Unwürdigkeit, welche die Bosheit erdenken und die unerſättlichſte Habgier ihm anthun konnte.

Und dies war nicht einmal Alles. Ein anderes tie⸗ fer angelegtes Syſtem der Verfolgung machte ſein Herz bluten und trieb ihn durch ſeine Ungerechtigkeit und Grauſamkeit beinahe bis zum Wahnſinne.

Der arme elende Burſch Smike war ſeit dem Abende, an dem Nicolaus in dem Schulzimmer freund⸗ lich zu ihm geſprochen, ihm beinahe auf jedem Schritte gefolgt, und unabläſſig bemüht geweſen, ihm hülfreich zu ſein oder zu dienen, indem er allen jenen kleinen Bedürfniſſen zuvorkam, die er in ſeiner demüthigen Niedrigkeit zu befriedigen vermochte, und ſchon zufrie⸗ den war, wenn er ſich nur in ſeiner Nähe wußte. Er konnte Stunden lang neben ihm ſitzen und ihm gedul⸗ dig in das Geſicht ſehen, und ein Wort heiterte ſein ſorgenvolles Geſicht auf und rief auf demſelben ſogar einen vorübergehenden Strahl von Glück hervor. Er war ein umgewandelter Menſch; er hatte einen Zweck, und dieſer Zweck war, der einzigen Perſon freilich einem Fremden ſeine Zuneigung zu beweiſen, die ihn, um nicht zu ſagen mit Güte, wie ein menſchliches We⸗ ſen behandelt hatte.