Nirolaus Nickleby. 45
rem Grolle beinahe eben ſo große Erleichterung, als wenn Alles die Wahrheit des Evangeliums geweſen wäre; ja noch mehr. Wir haben eine ſo außerordentliche Gewalt der Ueberredung, wenn wir dieſelbe gegen uns ſelbſt an⸗ wenden, daß Fräulein Squeers nach ihrer edelmüthigen Verzichtleiſtung auf Johann Browdie's Hand ſich erha⸗ ben und groß fühlte und auf ihre Nebenbuhlerin mit ei⸗ ner Art heiliger Ruhe und Gelaſſenheit herabſah, die nicht wenig dazu beitrug, ihre aufgeregten Gefühle zu beruhigen.
Dieſer glückliche Gemüthszuſtand hatte einigen Ein⸗ fluß darauf, daß bald eine Verſöhnung bewirkt wurde; denn als des andern Tages an die Hausthür gepocht und die Müllerstochter angekündigt wurde, begab Fränlein Squeers ſich mit einer chriſtlichen Sinnesbeſchaffenheit in das Beſuchzimmer, die wahrhaft ſchön anzuſehen waͤr.
»Nun, Fanny,« ſagte die Müllerstochter.»Du ſiehſt, ich komme, um Dich zu beſuchen, obwohl wir uns ge⸗ ſtern Abend etwas gezankt haben.⸗
»Ich bemitleide Deine ſchlimmen Leidenſchaften, Tild⸗ chen,« erwiederte Fräulein Sgueers; aber ich trage kei⸗ nen Groll nach. Ich bin darüber erhaben.⸗
»Sei nicht ärgerlich, Fanny,« nahm Fraäulein Price wieder das Wort.»Ich bin gekommen, um Dir etwas zu ſagen, wovon ich weiß, daß es Dir angenehm ſein wird.«
»Was kann das ſein, Tildchen?« fragte Fräulein Squeers, und zog dabei die Lippen in die Höhe und nahm eine Miene an, als ob nichts auf der Erde, in der Luft, im Feuer oder Waſſer ihr auch nur das ge⸗ ringſte Fünkchen von Zufriedenheit zu gewähren vermochte.
»Es iſt dies,« verſetzte Fräulein Price.»Als wir


