Nicolaus Nickleby. 21
erfreulich wäre es geweſen, bei den harmloſen Gedanken des liebenswürdigen Mädchens zu verweilen, und wie hätte man erſtaunen müſſen, daß unter allen den liſtigen Anſchlägen und Berechnungen des alten Mannes auch kein Wort, keine Ziffer war, die einen Gedanken an den Tod oder an das Grab andeutete! Aber ſo war es; und noch ſeltſamer,— obwohl es eben nichts iſt, als was alle Tage vorkommt,— das warme junge Herz ſchwoll von tauſend Beſorgniſſen und Beängſtigungen, während jenes des alten Weltmannes ruhig in ſeiner Höhle roſtete, und nur als ein Stück eines ſchlauen Mechanismus ſchlug, aber keinen Pulsſchlag, weder der Hoffnung, noch der Furcht, noch der Liebe oder der Beſorgniß für irgend ein lebendes Weſen von ſich gab.
„»Oheim,« ſagte Käthchen, als ſie glaubte, daß ſie ihre Beſtimmung hald erreicht hätten,»ich muß eine Frage an Sie richten. Kann ich zu Hauſe wohnen bleiben?⸗
„»Zu Hauſe?« erwiederte Ralph,»wo iſt das?«
»Ich meine bei meiner Mutter— der Wittwe,« ſagte Käthchen mit Nachdruck.
»Du wirſt Deinen Aufenthalt in jeder Beziehung hier haben,« verſetzte Ralph;»denn hier wirſt Du Deine Mahlzeiten einnehmen und hier wirſt Du vom Morgen bis in die Nacht und oft vielleicht wieder bis zum an⸗ dern Morgen bleiben.«
»Aber des Nachts, meine ich,« ſagte Käthchen,»vich kann ſie nicht verlaſſen, Oheim. Ich muß irgend einen Ort haben, wo ich zu Hauſe bin, es mag ſein, wo es
immer will, und vielleicht wird es ein ſehr niederer Ort ſein.«
»Vielleicht,« entgegnete Ralph, und ſchritt in der Un⸗ geduld, welche dieſe Bemerkung in ihm hervorrief, ſchnel⸗


