20 Nicolaus Nickleby.
„Ich will verſuchen, mich beliebt zu machen, Oheim,⸗ erwiederte Käthchen;»wirklich, ich—«
»Fange nicht an zu weinen,« brummte Ralph;»ich haſſe alles Geplärr.«
„Es iſt recht thöricht, das weiß ich wohl, lieber Oheim,« begann das arme Käthchen.
„»Das iſt es,« entgegnete Ralph, ihr in die Rede fallend,»und affektirt außerdem. Laß mich nichts mehr davon ſehen.«
Dies war vielleicht eben nicht das beſte Mittel, die Thränen eines jungen und gefühlvollen Mädchens zu trocknen, die im Begriff war, in eine ganz neue Bahn des Lebens, unter kalten und theilnahmloſen Fremden, einzutreten; aber es hatte deſſen ungeachtet ſeine Wir⸗ kung. Käthchen erröthete ſehr, athmete einige Augen⸗ blicke ſchneller und ging dann mit einem feſteren und entſchloſſenen Schritte weiter. 3
Es bildete einen ſonderbaren Gegenſatz, wie das furcht⸗ ſame Landmädchen durch die Volksmaſſen ſchlüpfte, welche die Straße auf⸗ und niederwogten, dem Andrange der Vorübergehenden nachgebend und ſich dicht an Ralph an⸗ ſchmiegend, als ob ſie fürchtete, ihn in dem Gedränge zu vere en; und wie dagegen der unbiegſame derbe Ge⸗ ſchäftsmann trotzig ſeines Weges ging, was ihm zu nahe kam, bei Seite ſtoßend und von Zeit zu Zeit einen mür⸗ riſchen Gruß mit einem Bekannten wechſelnd, der ſtehen blieb, um mit verwunderten Blicken ſich nach ſeiner hüb⸗ ſchen Begleiterin umzuſehen, und über das ſo wenig zu ſammenpaſſende Paar erſtaunt ſchien. Aber einen noch ſchrofferen Gegenſatz würde man gefunden haben, wenn man in den Herzen geleſen hätte, die ſo nahe an einan⸗ der ſchlugen. Welcher Abſtand von der ſanften Unſchuld des Einen zu der rauhen Nichtswuͤrdigkeit des Andern! Wie
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