Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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8 Nieolaus Nickleby.

liebſter Gegenſtand, ein ganz allerliebſter Gegenſtand, obwohl natürlich etwas auch wohl von der Art der Behandlung abhängt.«

»Gewiß nicht wenig,« bemerkte Käthchen.

»Ja, meine Liebe, darin haben Sie Recht,« ſagte Fräͤulein La Creevy.»Im Ganzen haben Sie Recht, obwohl ich nicht zugebe, daß es in dem gegenwärtigen Falle gerade von ſo beſonderer Wichtigkeit iſt. Ach, die Schwierigkeiten der Kunſt ſind groß, meine Liebe.«

Das müſſen ſie wohl, daran kann ich nicht zwei⸗ feln,« ſagte Käthchen, um ihrer gutmüthigen kleinen Freundin zu Gefallen zu reden.

»Sie überſteigen Alles, wovon Sie Sich nur eine Vorſtellung machen können,« erwiederte Fräulein La Creeby.»Da ſoll man die Augen mit aller Kraft her⸗ ausbringen, und dann muß man die Naſen mit Gewalt zurechtſtutzen, wenn ich von den Köpfen auch gar nichts fagen und die Zähne ganz wegnehmen will. Sie haben wirklich keinen Begriff von der Mühe, welche das kleinſte

Miniaturbild koſtet.«

»Das Honorar kann Sie ſchwerlich dafür entſchä⸗ digen,« bemerkte Käthchen.

»Nein, das kann es nicht, das iſt die volle Wahr⸗ heit,« entgegnete Fräulein La Creevy;»und dann ſind die Leute ſo ſchwer zufrieden zu ſtellen und ſo unver⸗ nünftig, daß es in neun Fällen unter zehn kein Ver⸗ gnügen iſt, ſie zu malen. Zuweilen ſagen ſie:Ach, wie ernſthaft laſſen Sie mich ausſehen, Fräulein La Creevy!e und dann wieder: Ei, ei, Fräulein La Creevy, wie ſchalkhaft lächelnd! Und doch iſt es das Weſen eines guten Portraits, daß es entweder ernſt oder hei⸗ ter ſein muß, oder es iſt gar kein Portrait. Wirklich?« fragte Käthchen lachend.