190 Oliver Twiſt.
»Ach, Gott vergebe dieſem armen Manne!« rief der Knabe weinend.
„Das iſt recht, das iſt recht,« ſagte der Jude.»Das wird uns forthelfen. Erſt dieſe Thür; wenn ich zittere und bebe am Galgen vorbei, achte nicht darauf und eile weiter. Nun, nun, nun.«
„Haben Sie ihm ſonſt nichts zu fragen, Sir 2 fragte der Schließer.
»Nein,« antwortete Brownlow.»Wenn ich hoffte, wir könnten ihn zur Erkenntniß ſeiner Lage bringen.—⸗
„Das wird durch nichts zu bewirken ſein,« entgegnete der Mann kopfſchüttelnd.»Verlaſſen Sie ihn lieber.⸗
Die Thür der Zelle wurde geöffnet und die Wächter gingen wieder in dieſelbe hinein.
»Weiter! weiter!« ſchrie der Jude.»Sachte, aber nicht ſo langſam. Schneller! Schneller!«
Die Männer hielten ihn, machten Oliver von ihm frei und zogen ihn zurück. Er krümmte ſich und wehrte
ſich mit der Kraft der Verzweiflung, und ſtieß einen Schrei.
nach dem andern aus, die ſelbſt durch dieſe maſſiven Mauern drangen und hinaustönten bis auf den Hof.
Es dauerte eine Zeitlang, ehe ſie das Gefängniß ver⸗ ließen, denn Oliver wurde nach dieſer ſchauerlichen Scene faſt ohnmächtig und war ſo ſchwach, daß er über eine Stunde lang nicht gehen konnte.
Der Tag brach an, als ſie hinaustraten. Bereits hatte ſich eine große Menſchenmenge verſammelt; die Fenſter waren mit Leuten beſetzt, die zum Zeitvertreibe rauchten und Karten ſpielten; die Menge drängte, zankte und lachte. Alles verrieth Leben, bis auf einen dunkeln Haufen von Gegenſtänden in der Mitte,— das ſchwarze Schaffot, den Balken— den Strick und den ganzen gris- lichen Todesapparat.


