Oliver Twiſt. 179
Vierzehntes Kapitel.
Des Juden letzte Nacht im Leben.
Der Saal im Gerichtshofe war von unten bis oben mit menſchlichen Geſichtern bedeckt. Forſchende neugierige Augen ſchaueten von jedem Zolle Raum; von dem Git⸗ ter an dem Gefangenkäfige bis in die ſchärfſte Ecke des kleinſten Winkels auf den Gallerien waren alle Blicke auf einen Mann gerichtet,— den Juden. Vor ihm und hin⸗ ter ihm, oben, unten, zur Rechten und zur Linken— er ſchien von einem Firmamente umgeben zu ſein, das von
funkelnden Augen glänzte.
Da ſtand er im Glanze dieſes lebendigen Lichtes, die eine Hand auf die Holzplatte vor ihm geſtützt, die an⸗ dere an ſein Ohr gelegt, den Kopf vorgebeugt, um deut⸗ licher jedes Wort zu hören, das der vorſitzende Richter ſprach, der die Anklage den Geſchworenen vorlegte. Bisweilen richtete er ſeine Augen auf dieſe, um den Eindruck des unbedeutendſten Gegenſtandes zu belauſchen, der zu ſeinen Gunſten ſprechen konnte, und als die Punkte der Anklage gegen ihn mit ſchrecklicher Deutlich⸗ keit angegeben waren, ſah er ſich nach ſeinem Rechtsbei⸗ ſtande mit ſtummer Aufforderung um, ſelbſt da noch etwas für ihn zu ſagen. Außer dieſen Aeußerungen der Angſt rührte er weder Hand noch Fuß. Er hatte ſich kaum ein⸗ mal bewegt, ſeit der Prozeß begann, und jetzt, als der Richter ſchwieg, blieb er in derſelben Haltung geſpann⸗ ter Aufmerkſamkeit, die Augen auf ihn geheftet, als höre er noch immer.
Ein leichtes Geräuſch im Saale brachte ihn wieder
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