Teil eines Werkes 
3. Th. (1839)
Entstehung
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Oliver Twiſt. 175

»Ja, da an Ihrem Arme.«

»Aber nicht weniger meine Nichte,« ſagte Madame Maplie, welche das ohnmächtig werdende Mädchen in ihre Arme ſchloß,»nicht weniger mein liebes Kind. Nicht um alle Schätze der Welt möchte ich es jetzt ver⸗ lieren. Meine ſanfte Geſellſchafterin, mein liebes gutes Mädchen«

»Die einzige Freundin, die ich jemals hatte,« ſagte Roſa, die ſich an ſie klammerte,»die beſte Freundin. Mein Herz will berſten. Ich kann ich kann dies nicht Alles ertragen!«

»Du haſt mehr ertragen und biſt doch immer das beſte und ſanfteſte Kind geweſen, das jemals alle die beglückte, die in ſeine Nähe kamen,« ſagte Madame Moplie, indem ſie Roſa zärtlich küßte.»Komm, komm, bedenke wer dies iſt, der da wartet, Dich in ſeine Arme zu ſchließen, das arme Kind, ſieh her, ſieh ſieh!«

Nicht Tante,« rief Oliver, indem er ſeine Arme um ihren Nacken ſchlang,»ich werde nie Tante ſagen ler⸗ nen, Schweſter, meine liebe gute Schweſter, die ich gleich auf den erſten Blick lieben mußte. Roſa! liebe, theure Roſa!«

Die Thränen, die jetzt fielen und die halberſtickten Worte, die in dieſer langen, langen und innigen Umar⸗ mung gewechſelt wurden, ſollen heilig ſein. Ein Vater, eine Schweſter, eine Mutter waren in dieſem einen Au⸗ genblicke gefunden und verloren. Freude und Kummer waren in dem Becher gemiſcht, aber die Thränen waren nicht bitter, denn ſelbſt der Kummer zeigte ſich ſo ge⸗ mildert und in ſo zärtliche Erinnerungen gekleidet, daß er eine Wonne wurde und allen Schmerz verlor.

Sie waren eine lange, lange Zeit allein. Ein leiſes

Klopfen kündigte endlich an, daß Jemand draußen ſei.