162 Oliver Twiſt.
Oliver war in großer Unruhe und Ungewißheit, welche es ihm unmöglich machten, ſeine Gedanken zu ſammeln, ja, ihm faſt die Sprache benahmen. Seine Begleiter ſchienen kaum ruhiger zu ſein. Er und die beiden Da⸗ men waren durch Brownlow ſehr behutſam mit den Ge⸗ ſtändniſſen bekannt gemacht worden, die Monks gethan hatte, und obgleich ſie wußten, daß ihre jetzige Reiſe das Werk vollenden ſollte, das ſo gut eingeleitet war, ſo lag doch die ganze Sache noch in ſo großem Dunkel, daß ihre Spannung auf die endliche vollſtändige Aufflä⸗ rung bedeutend genug war.
Dceerſelbe beſorgte Freund hatte mit Losberne's Bei⸗ hülfe verhindert, daß ſie Nachricht von den ſchrecklichen Ereigniſſen erhielten, die ſich zugetragen hatten.»Sie müſſen dieſelben allerdings bald erfahren,« ſagte er, „aber dies kann zu einer gelegenern Zeit geſchehen.“ So fuhren ſie ſchweigend hin, ein jeder mit Gedanken über den Gegenſtand beſchäftigt, der ſie zuſammenge⸗ bracht hatte.
Wenn aber auch Oliver ſchwieg, während ſie nach dem Orte ſeiner Geburt auf einem Wege hinrollten, den er nie geſehen hatte, wie wendete ſich doch der ganze Strom ſeiner Erinnerungen zu der vergangenen Zeit zurück, und wie viele Gefühle regten ſich in ſeinem Bu⸗ ſen, als ſie die Straße erreichten, auf der er, ein armer heimathloſer Knabe, flüchtig daher gewandert war.
„Sehen Sie, da, da—« rief er, ergriff Roſa's Hand und zeigte hinaus,»da ſind die Hecken, an denen ich hinkroch, als ich fürchtete, man verfolge mich und
könne mich mit Gewalt zurückbringen, und jener Weg vort über das Feld führt nach dem alten Hauſe, wo ich als kleines Kind war. Ach könnte ich doch den einzigen Freund dort wiederſehen!«


