38 Oliver Twiſt
»Warum ſoll ich das? das Fräulein wird nicht mit einem ſolchen Frauenzimmer ſprechen wollen.« Ddieſe Anſpielung auf Aennchens zweifelhaften Cha⸗ racter weckte einen gewaltigen keuſchen Abſcheu in der Bruſt der vier Mägde, welche ſehr eifrig bemerkten, das Geſchöpf ſei eine Schmach für ihr Geſchlecht, und darauf drangen, daß die Fremde hinausgetrieben werde.
»Thut mit mir, was Euch gefällt,« antwortete Aenn⸗ chen, indem ſie ſich wieder zu den Männern wendete, verſt aber erfüllt meine Bitte, thut es um Gottes Barm⸗ herzigkeit willen.«
Der gutmüthige Koch unterſtützte ihre Bitte nochmals, und die Folge davon war, daß der Mann, der zuerſt erſchienen war, die Fremde zu melden verſprach.
„»Und was ſoll ich ſagen?« fragte er, als er mit einem Fuße bereits auf der Treppe ſtand.
„»Daß ein Mädchen dringend bittet, das Fräulein Maylie allein zu ſprechen,« antwortete Aennchen, und daß die junge Dame bei dem erſten Worte, das ich zu ſagen habe, erkennen wird, ob ſie mich ganz anhören oder mich als eine Betrügerin aus dem Hauſe treiben laſſen will. Sagen Sie ihr dies und bringen Sie mir ihre Antwort.«
Der Mann eilte die Treppe hinauf. Aennchen blieb bleich und faſt athemlos zurück, hörte mit bebenger Lippe auf die ſehr wohl hörbaren verächtlichen Aeußerungen der ſo züchtigen Dienſtmädchen und wurde noch unruhi⸗ ger als der Mann zurückkam und ſie hinauf beſchied.
„Es nutzt alſo gar nichts mehr, ſich in der Welt gut aufzuführen,« ſagte die erſte Magd.
»Iſt denn Meſſing beſſer als reines Gold?« fragte die zweite.
Die dritte begnügte ſich mit der Verwunderung dar⸗


