Oliver Twiſt. 37
aber Einer nach dem Andern blieb zurück, und als ſie ſich dem Orte ihrer Beſtimmung näherte, war ſie allein.
Es war ein Haus in einer ruhigen aber hübſchen Straße in der Nähe von Hyde Park, und als ſie ankam, ſchlug es elf Uhr. Sie hatte einige wenige Schritte wie unentſchloſſen gezögert, aber der Stundenruf gab ihr die Entſchloſſenheit wieder und ſie trat in das Haus hinein. Da ſie keinen Portier bemerkte, ſo ſah ſie ſich ungewiß um und ſchritt nach der Treppe weiter.
„»Was wollen Sie?« fragte ein ſauber gekleidetes Mädchen, das aus einer Thür herausſah.
„»Zu einer Dame, die in dem Hauſe wohnt,« ant⸗ wortete Aennchen.
„Eine Dame? Welche Dame?«
„»Fräulein Maylie,« entgegnete Aennchen.
Das Mädchen, welches unterdeß die Fremde gemu⸗ ſtert hatte, antwortete bloß mit einem Blicke tugendſtol⸗ zer Verachtung und rief einen Mann, der Antwort ge⸗ ben ſollte. Aennchen wiederholte demſelben ihr Ge⸗ ſuch.
„Welchen Namen ſoll ich nennen?« fragte der Mann.
»Es kommt auf einen Namen gar nicht an,« ant⸗ wortete Aennchen.»Aber ich muß die junge Dame ſehen.«
»Nichts da,« ſagte der Mann, indem er ſie nach der Thür zu ſchob.»Packe Sie ſich, fort!«
„Iſt denn Niemand hier, der eine ganz einfache Bitte von einem armen Mädchen, wie ich bin, befördern will?«
Dieſe Aufforderung machte Eindruck auf einen gut⸗ müthigen Koch, der mit einigen andern Dienſtleuten zu⸗ ſah und ſich jetzt hineinmiſchte.
„So melde es doch oben,« ſagte er zu dem Manne.


